Interview zur Bauvoranfrage Im Loh

28.10.2016 Fragen an Armin Nops als Vertreter aller Antragsteller

Mittlerweile hat der Gemeinderat der Stadt Konstanz auf die Anfrage auf Bauvorbescheid für die Errichtung einer Anschlussunterkunft für Flüchtlinge im Gewann „Vordere Lohäcker“ den Erlass einer Veränderungssperre beschlossen. Damit ist zumindest der politische Prozess um das Vorhaben abgeschlossen. Zu diesem Zeitpunkt haben wir die Akteure um ein Interview gebeten.

Armin Nops hat die Interview-Antworten in Abstimmung mit allen Antragstellern beantwortet.

Bodanbürger:

1. Wie haben Sie persönlich die letzten Wochen erlebt?

Armin Nops:

Wir waren überrascht.

Es ist mehr als erstaunlich, was unsere Anfrage (… also ob die Gesetzesgrundlage, die die Stadt für die Unterbringung von Flüchtlingsfamilien in Egg nutzt, auch auf das Gebiet in den Lohäcker Anwendung finden kann) ausgelöst hat.

Es war eine sehr interessante und spannende Zeit mit zahlreichen Erlebnissen und Erfahrungen. 

Freunde, auf die Verlass ist – demgegenüber Anfeindungen und Verleumdungen.

Nächtliche Anrufe und Schrauben in den Reifen des Autos.

Die Vorstellung, in Litzelstetten sei die Welt noch heil, erweist sich als Illusion.

Bodanbürger:

2. Wie haben Sie die Stellung des Ortschaftsrates Litzelstetten im gesamten Verlauf wahrgenommen? Hätten Sie sich mehr Unterstützung gewünscht?

Armin Nops:

Der Ortschaftsrat empfiehlt seit vielen Jahren die Überplanung der betroffenen Grundstücke und hat mehrere Beschlüsse dazu gefasst.

Die Entscheidung des Ortschaftsrats in der Verhandlungskommission Wohnungen für Flüchtlinge im Loh abzulehnen, sehen wir als Entgegenkommen gegenüber dem Gemeinderat. 

Leider war dieser mehrheitlich nicht bereit, auch dem Ortschaftsrat entgegen zu kommen.

Bodanbürger:

3. Der Gemeinderat hat Ihren Antrag abgelehnt. Können Sie dessen Begründung nachvollziehen?

Armin Nops:

Nein. Eine Fläche, für die der Ortschaftsrat seit vielen Jahren eine Überplanung fordert, scheint aus unserer Sicht kein gutes Beispiel für einen Präzedenzfall zu sein, der die Stadtplanung von Konstanz gefährdet.

Bodanbürger:

4. In Bezug auf die Bevölkerung: Was denken Sie, warum letztlich so viele Unterschriften gegen eine Bebauung zustande kamen?

Armin Nops:

Warum Menschen überhaupt eine Liste mit derart fremdenfeindlichem Charakter unterschreiben, ist uns ein Rätsel.

Rechtspolitische und fremdenfeindliche Parolen sind fehl am Platz.

Wenn tatsächlich mehr als die Hälfte der Unterschriften von Gästen des Hotels stammen und damit nicht von Litzelstettern, dann relativiert sich die Aussagekraft.

Eine Unterschriftensammlung zum Erhalt des Blickes über den Marienweg bis zur anderen Uferseite, hätte vermutlich einen ähnlichen Erfolg.

Bodanbürger:

5. Wie wären Sie zur Lösung gestanden, die der Ortschaftsrat vorschlug – eine integrative Mischbebauung?

Armin Nops:

Das wäre eine gute Lösung gewesen. Wir hatten schon früh unsere Bereitschaft zu entsprechenden Gesprächen signalisiert.

Bodanbürger:

6. Wie sehen Sie die Chancen für die Zukunft, dass an besagter Stelle gebaut wird?

Armin Nops:

Spannende Frage. In einigen Monaten wissen wir mehr. In Konstanz herrscht Knappheit an Wohnraum. Eine für die Bebauung geeignete und von der zuständigen Naturschutzbehörde freigegebene Fläche sollte doch bebaut werden können.

Bodanbürger:

7. Sehen Sie Möglichkeiten, auf dem Rechts- oder auch Verwaltungswege den jetzigen Entschluss des Gemeinderates anzufechten?

Armin Nops:

Unsere Bauvoranfrage wurde inzwischen vom Baurechtsamt negativ beschieden. Wir haben jetzt einen Monat Zeit, diese Entscheidung zu prüfen und gegebenenfalls den Rechtsweg zu beschreiten.

Bodanbürger:

8. Wird die Debatte um dieses Thema nachhaltige Wirkung auf die Bevölkerung und den Ortschaftsrat haben? Hat sich das „Klima“ durch den Dissens verändert?

Armin Nops:

Der Ortschaftsrat hat große Geschlossenheit und viel Mut gezeigt und damit belegt, wie wichtig er für Litzelstetten sein kann.

Außer den direkt Betroffenen werden alle anderen das Thema in wenigen Wochen vergessen haben.

Bodanbürger:

9. Hätten Sie rückblickend etwas anders gemacht in diesem Verfahren – oder würden Sie auch heute nochmals so handeln wie in den vergangenen Monaten?

Armin Nops:

Wir wären etwas vorsichtiger bei der Auswahl unserer Partner.

Dass z.B. das Wort und der Handschlag eines gestandenen Handwerksmeisters offensichtlich nichts wert ist und sich Partner ohne Ankündigung in den Rücken fallen, hat uns zutiefst enttäuscht. 

Alles andere würden wir wieder so machen - uns waren Transparenz und Offenheit gegenüber allen Beteiligten von Anfang an sehr wichtig.

Bodanbürger:

Herr Nops, wir danken Ihnen für das Interview!


Die Fragen stellte der Bodanbürger e.V., Dennis Riehle.


 
 

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