Interview mit Gaby Hauptmann

03.01.2017 Fragen an Gaby Hauptmann, Schriftstellerin aus Allensbach

Der Bodanbürger e.V. ist auf dem Bodanrück aktiv und setzt sich für Bürgerkommunikation und Regionalverbundenheit ein.

In unserem Bürgerportal www.bodanbürger.de veröffentlichen wir auch Interviews, Portraits und Artikel über Ereignisse, Personen und Hintergründe zu unserer Heimat.

Als Persönlichkeit, die seit langem am Bodensee lebt und Allensbach mit Hilfe Ihrer Weltliteratur berühmt gemacht hat, haben wir einige Fragen an Gaby Hauptmann gestellt.

Bodanbürger:

1. Sie haben Ihren Wohnsitz seit über 30 Jahren auf dem Bodanrück. Gefällt es Ihnen immer noch hier?

Gaby Hauptmann:

Da mein Beruf mich an keinen bestimmten Ort bindet, könnte ich überall auf der Welt sein. Aber von überall auf der Welt komme ich gern hierher zurück, weil diese Landschaft etwas Magisches hat. Für mich hat vor allem der See mit seinen Vulkanhügeln eine Urkraft, die mich immer wieder fasziniert. 

Hinter dem Liebreiz der abendlichen Schönheit mit gigantischen Sonnenuntergängen lauert die andere Seite, die gewaltige Kraft der Natur, der wir nichts entgegenzusetzen haben. Viele haben den See schon unterschätzt – aber er ist wie ein wildes Pferd. Wer ihm keinen Respekt entgegenbringt, kann es büßen. 

Und auch der Bodanrück mit seinen sanften Hügeln, seinen dunklen Wäldern und den urigen Bisons vervollständigt für mich dieses Bild. 

Es ist der Grund, weshalb ich mit Ruth Maria Kubitscheks Worten sagen möchte: Hier geht mir die Seele auf.

Bodanbürger:

2. Was schätzen Sie an der Region?

Gaby Hauptmann:

Abgesehen von der Landschaft mag ich die Menschen. Bei mir, in meiner Gasse, ist es die Bodenständigkeit meiner Nachbarn und eine Zufriedenheit, die von keinen Äußerlichkeiten abhängig ist. 

Vielleicht ist es ein südländisches Lebensgefühl, das die Menschen erfüllt, denn vieles spielt sich im Freien ab. Ein gemeinsames Bier, ein gemeinsamer Blick auf den See und seine Tiere ersetzt manchmal viele Worte.

Bodanbürger:

3. Sie arbeiten in malerischer Umgebung. Kommt auch daher Ihr Welterfolg?

Gaby Hauptmann:

Nein, ich kann überall arbeiten. Im Flugzeug, im Auto, in Hotels, in der Wiese, am Strand. Aber vielleicht ist es das Lebensgefühl, das mir diese Landschaft gibt – auch in Zeiten, in denen ich nicht hier bin.

Bodanbürger:

4. In Ihrem neuesten Buch „Die Italienerin, die das ganze Dorf in ihr Bett einlud“ spielt die Handlung in Italien. Was hat Sie zu der Geschichte inspiriert?

Gaby Hauptmann:

Die meisten Menschen kennen den Moment, wenn einem alles zu viel wird. Wenn man keinen sehen, nichts mehr hören, nicht belästigt werden will. Wenn man einfach die Bettdecke über den Kopf ziehen  und wie ein Kind sagen will: Ich bin nicht mehr da. 

Gabriella ist in dieser Situation. Sie kommt völlig ausgebrannt aus New York in das toskanische Castello ihrer Kindheit zurück, weil ihr Vater gestorben ist. Wer sie sehen will, muss zu ihr kommen – sie verlässt ihr Schlafzimmer nicht mehr. Doch so sehr sie sich von der Außenwelt abschirmt, so wenig kann sie entfliehen – denn die Welt kommt zu ihr herein und sie entdeckt plötzlich Zusammenhänge, die sie auf die Spur ihrer verschwundenen Mutter führen.

Bodanbürger:

5. Wie wichtig ist es Ihnen, Heimat und Literatur zusammen zu bringen?

Gaby Hauptmann:

„Die Meute der Erben“ hätte ich in Allensbach ansiedeln können, weil es um die Geschichte einer Familie in Allensbach geht. So spielt sie jetzt in Lindau. 

Ich mag es nicht, wenn Leser rätseln, ob sie wohl gemeint sind – oder nicht. Wenn ich das will, tu ich das ganz bewusst – etwa mit meinen Kurzgeschichten, die ich für frühere Veranstaltungen mit dem Verkehrsverein geschrieben habe. Damals bewirteten Harry und Christine Leissner für diesen Abend den Weinberg von Pius Wehrle und es war ein gemeinsames, schönes Fest mit einer speziellen Lesung. Oder auch bei meinem Roman „Fünf Sterne Kerle inclusive“, der am Arlberg (meiner zweiten Heimat) spielt, da rätseln noch heute die Beschriebenen, wer denn nun wer ist. Das mache ich aber nur, wenn auch ein Spaß dabei ist. Ich würde beispielsweise keinen Regionalkrimi hier ansiedeln – obwohl die ja sehr populär sind - , weil ich meine eigene Idylle nicht zerstören will. Ich würde vielleicht zu viel Wahres hineinpacken – und das möchte ich nicht. Vielleicht ist dies auch der Grund, weshalb Donna Leon ihre Romane nicht auf Italienisch herausbringt - sie möchte da, wo sie lebt, ihre Ruhe haben.  

Bodanbürger:

Frau Hauptmann, wir danken Ihnen für das Interview!


Die Fragen stellte der Bodanbürger e.V., Laura Ratini und Dennis Riehle.


Gaby Hauptmann, (c) Foto: People Image / Tinnefeld
Gaby Hauptmann, (c) Foto: People Image / Tinnefeld
Bodanbürger-Interview mit Gaby Hauptmann
 
 
 

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