Bodanbürger-Region "Bodanrück"
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Interview mit Carolin Baumgartner

10.04.2017 Fragen an eine innovative Bodanbürgerin

Der Bodanbürger e.V. ist auf dem Bodanrück aktiv und setzt sich für Bürgerkommunikation und Regionalverbundenheit ein.

In unserem Bürgerportal www.bodanbürger.de veröffentlichen wir auch Interviews, Portraits und Artikel über Ereignisse, Personen und Hintergründe zu unserer Heimat.

in Ihrer aktuellen Pressemitteilung haben mich zwei Aussagen besonders neugierig gemacht. Einerseits der „Belegblock“ selbst, den sie als „Konstanzer Erfindung“ bezeichnen. Andererseits die Feststellung, er werde nun „grün“.

Bodanbürger:

1. Zuerst zum „Belegblock“: Wie kam es zu dieser Erfindung aus Konstanz und was steckt eigentlich dahinter?

Carolin Baumgartner:

Wer Belege für die Buchhaltung sammeln muss, der kennt das Problem, dass viele Parkscheine oder Kassenbons einfach zu klein sind, um sie zu lochen. Damit man sie dennoch im Ordner ablegen kann, werden sie meist mühsam mit einem Klebestift auf ein größeres Papier aufgeklebt oder darauf festgetackert. Und das ist gerade für Betriebe mit vielen Belegen sehr zeitaufwendig.

Ich habe mir dann überlegt, wie kann man das ändern und heraus kam der BELEGBLOCK. Das ist ein kleiner Block, der je nach Größe mit einem oder mehreren Klebepunkten versehen und bereits gelocht ist. Jetzt braucht man nur noch den kleinen Beleg auf den Klebepunkt legen und fertig.

Beim Postamt in Litzelstetten liegt am Schalter ein Muster aus, da kann es jeder gerne mal ausprobieren.

Bodanbürger:

2. Nun wird der „Belegblock“ also „grün“. Was bedeutet das?

Carolin Baumgartner:

Wo immer man die Umwelt schonen kann, sollte man das tun. Darum wird die neue Generation Belegblöcke jetzt komplett aus Altpapier hergestellt. Also eben nicht aus Recyclingpapier, das ja bei der Aufbereitung auch wieder die Umwelt belastet, sondern wirklich aus richtigem Altpapier. Zum Einsatz kommen hier einseitig bedruckte Papiere oder dünner Karton, wie zum Beispiel Plakate, Flyer, Postkarten oder Preisschilder aus dem Supermarkt.

Bodanbürger:

3. Können Sie uns nochmals kurz den Unterschied zwischen Upcycling und Recycling erklären?

Carolin Baumgartner:

Gerne. Wenn unsere Glasflaschen aus dem Sammelcontainer eingeschmolzen werden und daraus wieder neue Produkte aus Glas entstehen, nennt man das Recycling. Stellen wir aber zum Beispiel aus alten Lkw-Planen Umhängetaschen her, also ein ganz neues Produkt, dann nennt man das Upcycling.

Bodanbürger:

4. Was hat sie angetrieben, den „Belegblock“ nun aus „Abfallprodukten“ herzustellen? War es der Hype um nachhaltige Erzeugnisse – oder welcher Beweggrund hat Sie denn angetrieben?

Carolin Baumgartner:

Es waren mehrere Gründe. Zum einen natürlich die Nachhaltigkeit aber andererseits auch die Nachfrage durch unsere Kunden. Mittlerweile verkaufen wir die Blöcke in ganz Deutschland und da bleibt es nicht aus, das gerade größere Unternehmen nach umweltfreundlichen Produkten fragen. Da hab ich mir gesagt, warum recyceltes Papier benutzen, wir können doch auch „schönes“ Altpapier einsetzen. Das spart die Aufbereitung und sieht toll aus.

Wir hier in Konstanz sind doch permanent von schönen bunten Plakaten umgeben, die viel zu schade sind, um die Andrucke oder den Überschuss davon einfach wegzuwerfen. Denken Sie nur mal an die tollen farbenfrohen Plakate von der Insel Mainau, dem KULA oder dem Theater.

Bodanbürger:

5. Sie sprechen ja auch von einem Mehrwert für Unternehmen, die an der Innovation mitwirken. Können Sie erklären, wie das genau funktioniert?

Carolin Baumgartner:

Ja sicher. Für die Unternehmen die uns unterstützen, gibt es gleich mehrere Vorteile.

Erstens, reduziert sich ihr Altpapiervolumen.

Zweitens: Der Werbeeffekt des jeweiligen Materials bzw. Unternehmens verlängert sich. Stellen Sie sich vor, Sie geben uns Ihre abgelaufenen Flyer. Auf jedem einzelnen steht ja der Name Ihres Unternehmens. Und genau den lesen dann die Benutzer, also Käufer der Blöcke, wenn sie ihn benutzen.

Und drittens: Alle Material-Sponsoren erhalten von uns beim Kauf der Blöcke einen kleinen Rabatt.

Bodanbürger:

6. Sie sind als Gewerbetreibende aktiv und offenbar immer daran interessiert, Neues auszuprobieren. Wie kam es denn dazu?

Carolin Baumgartner:

Sie kennen mich schon ganz gut. Ich bin jetzt mittlerweile seit fast 15 Jahren selbständig und bei den zwei Unternehmen die ich im Moment leite, wird es sicher nicht bleiben. 

Es macht mir einfach Spaß nach Lösungen oder Verbesserungen zu suchen und ja, ich hab wirklich Freude daran, Neues auszuprobieren.

Bodanbürger:

7. Und hat Sie auch der Unternehmergeist bereits gepackt, streben Sie nach mehr?

Carolin Baumgartner:

Natürlich. Als Unternehmer darf man nicht stehen bleiben. Gerade in der heutigen Zeit.

Bodanbürger:

8. Wie arbeiten Sie im Augenblick, wie kann man Ihre Produkte beziehen, was bieten Sie an? Erzählen Sie ein bisschen über Ihr Geschäft.

Carolin Baumgartner:

Die neuen Upcycling-Blöcke werden ausschließlich in Konstanz in Handarbeit produziert. Das ist im Moment noch sehr aufwendig, macht aber auch viel Freude. Durch das Schneiden und Zusammentragen des Papiers, das eigenhändige Kleben mit Buchbinderleim und dem anschließenden Aufbringen der Klebepunkte, ist man richtig eng mit dem eigenen Produkt verbunden.

Aktuell kann man unsere Produkte über unsere eigene Internetseite, den Erfinderladen in Berlin und einige größere Plattformen bestellen. Geliefert werden sie innerhalb von 2 Tagen. Außer den Blöcken gibt es auch noch tolle Trennstreifen mit Künstlermotiven, die gerne als Geschenk gekauft werden. Wer kein Internet hat oder nicht bestellen möchte, kann aber auch direkt in der Wollmatinger Straße 70 in unserem Büro kaufen.

Bodanbürger:

9. Und wohin soll es noch gehen mit der „innovativen Unternehmerin“ des Bodanrück?

Carolin Baumgartner:

Kurzfristig ist erst mal ein erfolgreiches Anlaufen der neuen „grünen“ Blöcke geplant, damit dadurch vielleicht auch neue Arbeitsplätze geschaffen werden können. Ich wünsche mir sehr, dass viele  Unternehmen vor Ort mitwirken, damit es ein Produkt aus der Region wird. Einige Zusagen haben wir schon, wofür ich mich an dieser Stelle ganz herzlich bedanken möchte.

Langfristig ist dann wieder mehr Zeit und der Ausbau meines anderen Unternehmens, der Immobilienaufbereitung geplant, welches im Moment leider gerade ein wenig zu kurz kommt.

Bodanbürger:

10. A propos: Abschließend möchten wir natürlich noch wissen, was Sie denn mit unserer Region verbindet, was schätzen Sie am Bodanrück, wie unternehmerfreundlich und heimatverbunden halten Sie die Idylle, die Touristen anzieht – und Gewerbe vielleicht auch?

Carolin Baumgartner:

Wir leben da, wo andere Urlaub machen. Als gebürtige Konstanzerin liebe ich diese Region über alles. Ich war in meinem Leben schon viel unterwegs, habe auch mehrere Jahre im Ausland gelebt, aber das Heimweh und die Sucht nach dem Bodensee war stärker als alles andere. Wir wohnen und arbeiten am schönsten Fleckchen von Deutschland, was wollen wir mehr?

Herzlichen Dank für das Interview.

Bodanbürger:

Frau Baumgartner, wir danken Ihnen für das Interview!


Die Fragen stellte der Bodanbürger e.V., Dennis Riehle.


 
 
 

bodanbürger.de - das Bürgerportal des Bodanbürger e.V. für die Konstanzer Teilorte auf dem Bodanrück Dettingen-Wallhausen, Dingelsdorf mit Oberdorf und Litzelstetten mit Insel Mainau sowie für Allensbach mit seinen Teilorten Hegne, Kaltbrunn und Langenrain-Freudental