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28.01.2019 (pm) Bodensee-Stiftung hält Windparks im Thurgau für möglich

In einer Stellungnahme zum kantonalen Thurgauer Richtplan, Kapitel Windenergie, legt die Bodensee-Stiftung Wert auf die Einhaltung hoher Standards beim Natur- und Artenschutz. Die Bodenseeregion muss auch durch den Bau von Windparks einen Beitrag zur Energiewende leisten und gleichzeitig der überragenden Bedeutung des Bodensees als Brut-, Rast- und Zugvogelgebiet Rechnung tragen. Die Weltklimakonferenz in Polen vor wenigen Monaten hat drastisch gezeigt, dass die bisherige Ausbaugeschwindigkeit bei Erneuerbaren Energien in der Schweiz und Deutschland bei weitem nicht ausreichend ist. Wichtig erscheint der Bodensee-Stiftung deshalb auch die enge Zusammenarbeit über die Grenzen hinweg.

Die niedrigen Windgeschwindigkeiten, die im Thurgauer Richtplan kommuniziert werden, hält die Bodensee-Stiftung für problematisch. Windgeschwindigkeiten unter 5m/s auf 100m Nabenhöhe sind auch für moderne Schwachwindanlagen zu wenig. Wenn ein Windrad im Schnitt weniger als sechs Millionen Kilowattstunden Strom pro Jahr produziert, ist der Eingriff in Natur und Landschaft in der Abwägung nicht zu rechtfertigen. Positiv sieht die Bodensee-Stiftung die Bündelung der Windenergieanlagen in Parks zwischen drei und sieben Stück. So können die Eingriffe in den Naturhaushalt an wenigen Standorten konzentriert werden.

Angesichts von fast 100.000 Menschen in Deutschland und in der Schweiz, die die geplanten  Windparks aus ihrem Wohnumfeld sehen können, ist die Sichtbarkeit der Windenergieanlagen in der Landschaft und damit der Schutz des Landschaftsbildes ein besonders schwerwiegender Belang, der bislang nicht ausreichend gewürdigt wird. Das spielt auch für den Tourismus am Bodensee eine wichtige Rolle. Die Bodensee-Stiftung spricht sich daher auch auf deutscher Seite des größten deutschen Sees für behutsame Windkraftplanung aus. Seit vielen Jahren setzt sich die Bodensee-Stiftung im Landkreis Konstanz für den Bau von rund zehn modernen Windkraftanlagen in drei bis vier Windparks ein. Dieser Anteil ist bescheiden, wenn man davon ausgeht, dass bis zum Jahr 2040 in Baden-Württemberg zwischen 1500 und 2000 Windräder mit einer Leistung von zwei bis fünf Megawatt gebaut werden könnten.

Beim Natur- und Artenschutz sind insbesondere die weitreichenden Untersuchungen der Vogelwarte Sempach zum Zugvogelschutz angemessen zu berücksichtigen. Vom Land Baden-Württemberg wünscht sich die Bodensee-Stiftung endlich vergleichbare Untersuchungen zum Zugvogelschutz. Die Berücksichtigung von weiteren möglichen Windenergie-Standorten in den benachbarten Kantonen und auf deutscher Seite, hält die Bodensee-Stiftung für wichtig. Es wird zwar immer nur ein kleiner Teil der ausgewiesenen Flächen tatsächlich mit Windparks bebaut, trotzdem ist von Beginn an eine übergreifende Planung nötig. Zudem sind die bestehenden Schutzgebiete zu berücksichtigen.

Grundsätzlich begrüßt die Bodensee-Stiftung die Ausweisung von Vorrangflächen für Windparks im Thurgau. Aufgrund der Informationen, die man bislang von den Schweizer Partnerorganisationen bekommen hat, gibt es keine Fakten, die für eine generelle Ablehnung der Standorte sprechen. Die Bodensee-Stiftung sieht allerdings besser und weniger gut geeignete Standorte. Die Bodensee-Stiftung fordert im Laufe des Verfahrens eine genauere Untersuchung von Fledermäusen, windkraftsensiblen Vogelarten und Vogelzug.

Insgesamt setzt sich die Bodensee-Stiftung als internationale Organisation bei der Umsetzung der Energiewende für eine bessere Kooperation in Europa ein. Gerade die Schweiz, Österreich und Deutschland, die bei der Energiewende ähnliche Ziele und Grundwerte verbinden, sollten enger als bisher zusammenarbeiten. Wasserkraft aus dem Alpenraum, Windkraft mit einem Schwerpunkt im Norden Deutschlands, Solarenergie aus der gesamten Fläche und eine naturverträgliche Nutzung von Biomasse und Geothermie lassen einen schnellen Atom- und Kohleausstieg in allen drei Ländern möglich erscheinen. Nur wenn die gefühlten Vorreiterländer der Energiewende wirtschaftlich und beim Klimaschutz erfolgreich sind, werden Länder wie Frankreich die Atomkraft und Polen die Nutzung der Kohle überhaupt in Frage stellen.

Nur wenn die Bodenseeregion, als eine der reichsten und am weitesten entwickelten Regionen der Erde ihre Hausaufgaben im Klimaschutz macht,  besteht überhaupt eine Chance, die sich deutlich abzeichnenden Auswirkungen des Klimawandels in Europa und weltweit noch einigermaßen abfedern zu können. Deshalb fordert die Bodensee-Stiftung Kommunalpolitiker aus dem Landkreis Konstanz auf, wenige Wochen nach der Weltklimakonferenz in Polen und wenige Tage nach den Empfehlungen der Kohlekommission mehr zu Papier zu bringen, als nur eine durchsichtige und plumpe Ablehnung der Windkraftpläne im Thurgau. Wir brauchen in der internationalen Bodenseeregion endlich eine übergreifende Strategie für eine zukunftsfähige Mobilität, Strom- und Wärmeversorgung.

(Pressemitteilung der Bodensee-Stiftung, Radolfzell)

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Allensbach mit Blick auf die Thurgauer Berge, (c) Foto: Wolfgang Flick, Konstanz
Allensbach mit Blick auf die Thurgauer Berge, (c) Foto: Wolfgang Flick, Konstanz
 

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