06.07.2017 Geht der Bodanrück wieder in Konstanz auf?

(Kommentar: Dennis Riehle)

Muss sich der Bodanrück nun ernsthafte Sorgen machen? Der Südkurier hat ihn herabgestuft. Nicht mehr auf der ersten Seite eines gesonderten Teils erschien plötzlich die Rubrik um die Konstanzer Vororte, Allensbachs und der Reichenau, sondern untergeordnet im Konstanzer Lokalteil – also dort, wo man auch früher die Meldungen suchen musste, die der Tageszeitung offenbar nicht wichtig genug erschienen, um ihnen einen eigenen Platz zuzubilligen. Denn nein, es ist wahrlich kein übertriebenes Profilierungsbedürfnis, auch kein abgrenzendes Verhalten, wenn Menschen auf dem Bodanrück mit einem gesunden Selbstbewusstsein feststellen, dass ihre Uhren noch ein wenig anders ticken als die in der Stadt.

Gerade die jüngere Vergangenheit hat bewiesen, dass man auch zwischen Allensbach und Litzelstetten Schlagzeilen produzieren kann – und diese eigentlich nicht geeignet sind, unter ferner liefen unterzugehen. Natürlich ist man von der Mainau bis nach Dettingen ein Teil der Stadt Konstanz – und die wiederkehrende Frage nach der Identität der Teilorte würde wohl auch die Mehrheit heute, anders noch als zu Zeiten der Eingemeindungen, als sich das Meinungsbild nicht einheitlich darstellte, mit Überzeugung zugunsten der Zugehörigkeit zu Konstanz beantworten. Doch ist es nicht legitim, dass man auf dem Land bei aller Urbanisierung den Wunsch verspürt, den Charakter des Umlandes hochzuhalten – und damit einen im positivsten Sinne gehaltenen Gegenpol zum Leben und dem Geschehen in der Stadt zu bilden?

Diese Idee steckte eigentlich hinter dem Gedanken, als der Südkurier sich entschieden hatte, der Eigenständigkeit der Gemeinden Allensbach und Reichenau, aber auch dem weiterhin bestehenden Wesen von Unterschiedlichkeit in der Einheit der Stadt Konstanz Rechnung zu tragen und dem Bodanrück eine eigene Titelseite im vierten Buch des Südkuriers zuzugestehen. Daher überraschte jetzt auch, weshalb es wohl plötzlich eine „Rolle rückwärts“ gab. Gerade Allensbach und Reichenau lassen sich sicherlich nicht gerne von Konstanz vereinnahmen – und hatten damals besonders darauf gedrängt, endlich die Bedeutung zugemessen zu bekommen, die sie als unabhängige Verwaltungseinheiten auch haben. Immerhin sagt die Sortierung einer Zeitung auch etwas darüber aus, welche Wichtigkeit den einzelnen Ortschaften und Gemeinden durch die Redaktion zugestanden wird.

Gerade auf dem Land, aber auch in kleinen Gemeinden haben Vereine, bürgerschaftliches Engagement und aus städtischer Sicht bedeutungslosen Veränderungen noch einen viel größeren Einfluss auf den Alltag der Menschen. Da lebt die Dorfgemeinschaft von der Solidarität und will sich bewusst nicht auf die Anonymisierung einlassen, die in der Stadt voranschreitet und dort durch manch unpersönliche Infrastruktur und künstlich erzeugte Sozialgemeinschaft kompensiert wird. In der Peripherie ist man stolz darauf, was der Einzelne leistet und als Beitrag in das Miteinander einbringt. Weniger die großen Skandale sind es, die hier polarisieren, es sind die kleinen Probleme von rückläufiger Nahversorgung bis hin zur Größe des Neubaus um die Ecke, die uns beeindrucken – aber vor allem auch die erfreulichen Ereignisse von Ideen und Projekten, die dem Ländlichen Raum in Zeiten, in denen sein Image nicht immer das beste zu sein scheint, Hoffnung geben.

Meldungen aus der Region abseits des kernstädtischen Geschehens haben gleichsam ihren Wert, um einen angemessenen Platz und damit die passende Aufmerksamkeit zu erhalten, die sie auch in Epochen verdient haben, in denen wir die großen Sensationen erhaschen wollen. Dabei sind es nicht immer die Nachrichten mit den größten Aufregern, die die nachhaltigsten Wirkungen hinterlassen. Emotionen können auch durch die ganz ruhigen Geschichten angesprochen werden, die nicht durch ihre Lautstärke überzeugen, sondern durch die Faszination darüber, was ganz nebenbei jeden Tag bei uns in Bewegung scheint, ohne, dass man es eigentlich auf dem Titelblatt vermuten würde. Genau diese Chance wollte der Südkurier doch geben, über all das berichten, was am Rande von Konstanz, auf dem Bodanrück in seinen Ortschaften und eigenständigen Gemeinden so selbstverständlich erscheint – und nun in den Mittelpunkt gerückt werden sollte.

Es wäre schade, wenn der hiesigen Zeitung nun die Puste ausgehen sollte, den Stellenwert solcher oftmals eher als „weich“ wahrgenommener und in einigen Journalistenkreisen verpönter „Storys“ auch fortan hochzuhalten und sie viel eher wieder in der Vielzahl der Zeilen des Konstanzer Lokalteils unterzubringen. 

Gleichermaßen freuen sich die „Bodanbürger“ über einen ungeahnten Zuspruch für ihren Kurs, der darin bestärkt, dem Bodanrück eine eigene Stimme zu geben.   

Dennis Riehle, Martin-Schleyer-Str. 27, 78465 Konstanz

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