14.07.2017 Bedarf statt Vorlieben der Litzelstetter

(Stellungnahme von Dennis Riehle)

Liebe Ortschaftsräte,

vor zwei Tagen sprach mich eine Litzelstetter Bürgerin an. Sie erzählte mir, dass sie davon gehört habe, man könne das Bauprojekt in der Ortsmitte vielleicht doch noch stoppen, das Areal (beispielsweise an die Stadt Konstanz) verkaufen und nochmals von Neuem diese einmalige Gelegenheit nutzen, um Litzelstetten eine angemessene Dorfmitte zu geben. Ich weiß nicht, inwieweit Sie diese Überlegungen aus der Bürgerschaft, die für mich recht überraschend gekommen sind, bereits erreicht haben.

Ich denke, es ist hier eine Frage der Folgenabwägung:

Einerseits ist der Unmut über das, was aus den guten Ergebnissen des Bürgerbeteiligungswettbewerbes geworden ist, spürbar und auch so groß, dass wir langfristige Konsequenzen für die Bereitschaft der Menschen, sich an ähnlichen Projekten wieder zu beteiligen, nicht ausschließen können. Denn die ursprünglichen Ideen, was aus der Ortsmitte einmal werden soll, sind bereits im Architektenwettbewerb nur bedingt umgesetzt worden – nicht zuletzt aufgrund einer unzureichenden Ausschreibung. Heute besteht vor allem aufgrund des doch recht lobbyistischen Vorgehens des Bauherren großes Entsetzen darüber, dass eine städtische Gesellschaft keine Rücksicht auf die Belange der Menschen nimmt, obwohl sie trotz ihres klaren Auftrages zur Wohnraumschaffung auch dazu verpflichtet ist, Raumordnung und Stadtentwicklung zu betreiben. Natürlich kann man nun berechtigterweise fragen, ob es überhaupt sinnvoll war, an eine Wohnungsbaugesellschaft zu verkaufen, heute bin ich allerdings der Ansicht, dass wir hier im Zweifel früher hätten intervenieren müssen – allerdings kann ich da auch niemandem einen Vorwurf machen, denn auch ich hatte zunächst Vertrauen, dass die WOBAK ehrlich darauf aus sein würde, mit uns nicht nur einen Wohnbau zu schaffen, sondern eine Ortsmitte zu gestalten.

Andererseits höre ich von vielen Mitbürgern gleichsam, dass sie sich endlich eine Lösung wünschen. Ja, eine einmalige Chance wäre vertan, wenn das Bauvorhaben nun so umgesetzt wird, wie es die WOBAK beabsichtigt. Aber gleichzeitig entstünde bei einem Abbruch der jetzt bereits erheblich vorangeschrittenen Planungen ein großer Schaden für verschiedene Seiten: Die Litzelstetter würden auf unbestimmte Zeit weiter eine Hängepartie durchleben, in der keiner weiß, ob und wann aus der mittlerweile tatsächlich nicht mehr so ansehnlichen Dorfmitte endlich etwas Neues entsteht. Ich bin unsicher, welche Unzufriedenheit größer wäre – ob die der Ernüchterung über den Sieg der Wirtschaftlichkeit oder die, noch über Jahre mit einem wahrlichen Schandfleck inmitten unseres Ortes leben zu müssen. Und ebenso weiß ich nicht, welche Botschaft wir an Investoren aussenden würden, die wir auch zukünftig brauchen. Sie kennen mich durchaus als renitenten und streitbaren Bürger, der es in Kauf nimmt, dass das Ansehen in die zweite Reihe zurück rückt, wenn es um die Durchsetzung von bestimmten Prinzipien – gerade auch der Partizipation der Menschen an (kommunal-)politischen Projekten – geht. Doch welcher Wert überwiegt im konkreten Fall? Ist es der des Idealismus oder der des Pragmatismus, der uns auch ermahnt, ein dialogfähiger Partner für die zu bleiben, die fortan in Litzelstetten bauen wollen?

Wäge ich für mich als Litzelstetter ab, der einerseits in direkter Nachbarschaft vom Bauvorhaben betroffen ist, der als Ureinwohner an der Erhaltung der Identität seines Heimatdorfes Interesse hat und gleichzeitig die Belange der Bürger nicht verraten will, weil er zutiefst davon überzeugt ist, dass im 21. Jahrhundert Demokratie mehr denn je direkte Elemente enthalten muss, die gerade bei den Themen vor Ort weit über die repräsentativen Mitspracherechte der Bürger hinausgehen sollten, komme ich unter den gegenläufigen Argumenten zu einem klaren Ergebnis: Wir sollten versuchen, noch die bestmöglichen Änderungen – gerade in Nutzung der Gewerbeeinheiten – am geplanten WOBAK-Bau zu erzielen, die Aufsichtsbehörden ihre Arbeit machen und Höhe und Volumen des Gebäudes sowie die sonstigen Einwendungen der Anrainer prüfen lassen und für uns aus diesen Erfahrungen lernen, dass wir bei allen anstehenden Projekten, vor allem Marienweg, mit mehr Klarheit, Standfestigkeit und einem gesunden Misstrauen auftreten müssen und von Beginn klare Verbindlichkeit und Transparenz einfordern können. Denn es geht mehr denn je um die Frage, was Litzelstetten in den nächsten Jahrzehnten braucht – und da muss jeder Bauherr, ob nun eine (halb-)öffentliche Wohnbaugesellschaft oder ein privater Investor, berücksichtigen, dass es nicht um seine Vorlieben, sondern um den Bedarf der Litzelstetter Bevölkerung geht.

Herzliche Grüße

Ihr Dennis Riehle

Dennis Riehle, Martin-Schleyer-Str. 27, 78465 Konstanz, www.Dennis-Riehle.de

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