Hürden im Alltag: Wird Litzelstetten Vorbild für mehr Barrierefreiheit?

Beitragsbild barrierefrei, (c) Foto: katermikesch auf www.pixabay.com
Beitragsbild barrierefrei, (c) Foto: katermikesch auf www.pixabay.com

Für die meisten von uns sind Barrieren im Alltag kaum sichtbar, weil wir sie als Gesunde problemlos überwinden können. Doch der scheinbar normal hohe Bordstein wird für diejenigen zum Hindernis, die auf einen Gehstock, einen Rollator oder einen Rollstuhl angewiesen sind. Und auch wenn die Sensibilität für Barrierefreiheit in den letzten Jahren und Jahrzehnten deutlich gestiegen ist, bleiben viele dieser Hürden bestehen – weil den Kommunen Geld fehlt, die Planung zu lange dauert oder keine Notwendigkeit zum Handeln gesehen wird. Auch in Litzelstetten gibt es weiterhin viele Herausforderungen für Menschen, die in ihrer Gehfähigkeit eingeschränkt sind – oder die lediglich versuchen, sich mit dem Kinderwagen problemlos im Ort zu bewegen. Daher wurde nun auch von den „Bodanbürgern“ die Initiative ergriffen, bei den Ämtern und Behörden eine weitere Verbesserung der Fußläufigkeit zu schaffen.

Im vergangenen Jahrzehnt wurden zahlreiche Versuche unternommen, das Dorf barrierefreier zu gestalten. Hierfür hatte der selbst schwerbehinderte Litzelstetter Dennis Riehle im Jahr 2013 mit der Rathaus-Mitarbeiterin Antje Schiepp einen Rundgang absolviert, um verschiedenste Barrieren zu erfassen.  Es erfolgte die Erstellung eines Katalogs aus den unterschiedlichsten Problemstellen im Dorf, die die Ortsverwaltung dem Ortschaftsratsgremium vorlegte. Die Dokumentation sollte modellhaften Charakter haben, um nach einer Einschätzung durch das städtische Fachamt über entstehende Kosten möglichst viele der Hindernisse zügig zu beheben. Der damalige Ortsvorsteher Heribert Baumann rief die Menschen zudem dazu auf, schwierige Begebenheiten im Ort zu melden, die Menschen mit Handicap nur schwer bewältigen können. Die Resonanz war zwar verhalten, machte aber dennoch einen großen Handlungsbedarf deutlich.

Insgesamt ergab sich eine Mappe, die Bildmaterial von rund 40 Barrieren in Litzelstetten umfasst – wobei es sich hauptsächlich um überhöhte Bordsteine, unebene Bepflasterung oder nicht barrierefreie Zugänge handelte. Auch der Gedanke akustischer Signale der Fußgängerampel in der Ortsmitte wurde damals ebenso aufgefasst wie die fehlende Überbrückung der Treppe am Eingang zur Grundschule und der Zutritt zur Rathaus-Toilette. Mittlerweile kommen beeinträchtigte Menschen problemloser in die Ortsverwaltung – und auch die „Kasseler Borde“ für den leichteren Einstieg in den Bus wurden dem Ort versprochen. Die wohl meisten Probleme schaffen die Bürger allerdings selbst: Zu hohe oder zu breit gewachsene Hecken im Dorfgebiet, die Gehwege verschmälern oder Sichtbehinderungen an Kurven und Ecken verursachen, werden regelmäßig gemeldet – und nur selten halten sich Hausbesitzer an die gängigen Vorschriften.

In den Folgejahren erhoffte man sich, projekthaft und als Vorbild für andere Ortschaften voranzugehen und in Sachen Barrierefreiheit Entlastungen für bewegungseingeschränkte Bevölkerungsgruppen zu erreichen. Das Vorhaben geriet immer wieder ins Stocken, wenngleich Verwaltung und Rat die Dringlichkeit des Problems deutlich vor Augen war. In 2020 unternimmt die Bürgerinitiative „Bodanbürger“ deshalb einen erneute Vorstoß, einen gemeinsamen Rundgang mit dem Behindertenbeauftragten der Stadt Konstanz, Stephan Grumbt, zu verabreden. Hierbei soll überprüft werden, welche Barrieren auch heute noch existieren – und in welcher Reihenfolge sie abgearbeitet werden können. Ortsvorsteher Wolfgang Gensle und der Ortschaftsrat wurden von uns animiert, im Blick auf den „Demografischen Wandel“ schleunigst aktiv zu werden. Nicht nur die ältere Bevölkerung leidet unter Barrieren.

Über das weitere Geschehen in dieser Angelegenheit werden wir die interessierte Leserschaft auf dieser Seite auf dem Laufenden halten. Und falls Sie uns selbst eine Hürde melden möchten, schreiben Sie uns gern an post@bodanbuerger.de. Wir geben die gesammelten Nachrichten dann an die Verwaltung weiter!

Das Team der „Bodanbürger“:
Wolfgang Flick & Dennis Riehle

Ersten Kommentar schreiben

Antworten

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.


*