Verschlafene Jahre

Luftbild Litzelstetten mit Insel Mainau
Luftbild Litzelstetten mit Insel Mainau

Das Thema des „Demografischen Wandels“ ist wichtig für Litzelstetten. In keinem anderen Konstanzer Ortsteil wird sich die Bevölkerungspyramide in den nächsten Jahrzehnten derart verändern wie hier. Deshalb ist es auch sinnvoll, sich bereits in diesen Tagen Gedanken über das Morgen zu machen. Selbstverständlich dürfen wir nichts überstürzen, aber in Fahrt kommen sollten wir trotzdem – zumal die Diskussion darüber über Jahre nicht fortgesetzt wurde.

Dass die „Freien Wähler“ die angezogene Handbremse lockern möchten, ist ein gutes Zeichen für das Dorf. Doch wir dürfen nicht allein bei der Nahversorgung stehenbleiben. Natürlich: Heute bewegt die Menschen vor allem die Parkplatzsituation, 2030 werden wir aber ganz anderen Problemen gegenüberstehen, weshalb ich an die Kommunalpolitik appelliere, zweigleisig zu fahren: Was können wir bereits  jetzt angehen – und wofür brauchen wir mehr Zeit? Mir scheint elementar, die Bevölkerung nicht außen vor zu lassen. Ein erneuter Informationsabend über die aktuellen Statistiken wäre ein Anfang, auf dessen Grundlage die Diskussion in unterschiedlichen Verzweigungen weiterlaufen könnte.

Neben Wohnraum, Stellplätzen und Supermärkten werden es die langfristigen Auswirkungen sein, auf die es sich vorzubereiten gilt. Genügt die Infrastruktur, um auch die Neubaugebiete der Zukunft ausreichend an die Kernstadt anzubinden? Kann es in Litzelstetten Mehrgenerationen-Projekte geben? Und wie stellen wir uns für einen wachsenden Tourismus auf, der uns Vitalität im Ort sichert? Ein erfolgreicher Workshop, eine Bürgerbeteiligung – wie damals zur Umgestaltung der Ortsmitte –, stünde uns auch heute wieder gut zu Gesicht.

Ein „Runder Tisch“, der vor allem diejenigen mit ins Boot holt, die vom Wandel besonders betroffen sind. Dienstleister und Gewerbetreibende werden sich langfristig auf ein neues Kundenklientel umstellen müssen – und wie wichtig Handwerker morgen sind, merken wir bereits an den Wartezeiten von heute. Wir müssen unseren Mittelstand in Litzelstetten halten – und wir brauchen neue Selbstständige, die die wirtschaftliche Prosperität unseres Dorfes unterstreichen.

Darüber hinaus ist es die medizinische, pflegerische und soziale Unterstützung der vielen älteren Menschen, die eine enorme Herausforderung darstellen wird. Haben wir auch künftig genügend Ärzte vor Ort? Reichen die Betreuungsdienste aus? Wie kann das Ehrenamt gestärkt werden, um die hiesigen Vereine zu unterstützen? Denn sie dürften es sein, die den Hochbetagten bei ihrer Alltagsbewältigung helfen werden. Und nicht zuletzt müssen wir darauf achten, dass das Dorf auch weiterhin ein Anziehungspunkt für das junge Alterssegment bleibt, denn die Durchmischung der hiesigen Gesellschaft ist Bestandteil der Lebendigkeit Litzelstettens.

Von Barrierefreiheit bis Familienfreundlichkeit gibt es also viel zu tun. Ich sehe nicht, warum wir unser Engagement noch weiter aufschieben sollten. Der noch recht frisch gewählte Ortschaftsrat sollte die Gelegenheit nutzen, eine Gesamtkonzeption zu entwickeln. Die Erfahrung der fachkundigen Bürgerschaft liegt brach. Wollen wir ihr nicht endlich neuen Atem einhauchen?

Dennis Riehle
Martin-Schleyer-Straße 27, 78465 Konstanz
Tel.: 07531-955401

Mail: Riehle@Riehle-Dennis.de

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