Neustart für den „Bodanbürger-Stammtisch – Das Litzelstetter Forum“: Die Litzelstetter wollen reden…

Bodanbürger Stammtisch, (c) Foto: www.pixabay.com
Bodanbürger-Stammtisch, (c) Foto: www.pixabay.com

Der Stammtisch lebt wieder auf – und die Nachfrage ist größer denn je: Nachdem sich der Verein „Bodanbürger e.V.“ im vergangenen Jahr aufgelöst hatte, schien es zunächst so, als würde die regelmäßige Zusammenkunft von interessierten Litzelstettern keine Fortführung mehr finden. Doch die Bürgerinitiative um Wolfgang Flick und Dennis Riehle wollte das erfolgreiche Projekt des Stammtischs nicht aufgeben – und setzte für den 03. März 2020 einen Termin an. Mit neuer Uhrzeit und neuem Treffpunkt kamen gleich 17 Personen am frühen Nachmittag ins „Milchhäusle“ am Komturweg und debattierten eine spannende Tagesordnung – darunter waren auch die vier Ortschaftsrätinnen Dorothea Maier-Zepf, Brigitte Fuchs, Sonali Mhalas-Bartels und Brigitte Momma-Lavall.

Unter anderem ging es um die Frage, wie die Inhalte aus den Ortschaftsratssitzungen der breiten Bevölkerung zugänglich gemacht werden können. Zwar können die Entscheidungsergebnisse des Gremiums meist bereits am Folgetag im städtischen Bürgerinformationssystem ALLRIS eingesehen werden. Diskussionsbeiträge und der Verlauf von Abstimmungen und Aussprachen bleiben den Bürgern aber meist verwehrt. Bis vor rund einem Jahr hatte der Litzelstetter Journalist Dennis Riehle die Berichte für das Mitteilungsblatt ehrenamtlich geschrieben. Im Vorfeld des „Bodanbürger“-Stammtischs sagte er zu, diese Aufgabe anhand von Gedächtnisprotokollen und Aufzeichnungen der Ortschaftsräte wieder übernehmen zu wollen. Nun liegt es an Ortsvorsteher Wolfgang Gensle und der Ortsverwaltung, diese Bereitschaft anzunehmen. Der Bedarf an Information und Kommunikation unter der Einwohnerschaft am kommunalen Geschehen sei nämlich weiterhin groß, betonten mehrere Teilnehmer am Stammtisch. Zudem wünsche man sich mehr Dynamik in der Umsetzung von Entscheidungen, wie aus den Wortbeiträgen der Anwesenden zu entnehmen war.

Einen weiteren Diskussionspunkt auf der Tagesordnung bildete die bisher ausgebliebene Informationsveranstaltung zum Thema „Demografischer Wandel“. Nach Willen derjenigen Ortschafsträte, die beim Stammtisch zugegen waren, soll sie unter dem Motto „Bevölkerungsvorhersage Litzelstetten“ nun endlich umgesetzt werden. Einen entsprechenden Beschluss hatte bereits der Arbeitskreis „Soziales Miteinander“ gefasst. Jetzt wollen die „Freien Wähler“ einen Antrag in den Ortschaftsrat einbringen, der eine konkrete Planung des Termins vorsieht. Sofern dort jedoch kein Fortschritt erzielt werden kann, haben sich die „Bodanbürger“ bereit erklärt, den Themenabend gegebenenfalls selbst auf die Beine zu stellen. In mittelbarem Zusammenhang hierzu stand die Debatte des Stammtischs über bezahlbaren und verfügbaren Wohnraum für junge Familien in Litzelstetten: Ganz besonders trifft es diejenigen, die Zuwachs bekommen wollen und weiterhin in Litzelstetten wohnen möchten, weil Eltern und Kinder hier inzwischen ihren Lebensmittelpunkt gefunden haben. Selbst Familien, die die hiesigen Preise bezahlen könnten, finden weder Baugrundstücke noch gebrauchte Immobilien – und müssen notgedrungen abwandern. Der Stammtisch hatte deshalb gefordert, dass die vorliegende Erfassung leerstehenden Wohnraums und unbebauter Grundstücke wesentlich vehementer in Taten umgesetzt werden müsse.

Die Situation zur Nahversorgung fand auch bei den Teilnehmern des Stammtischs eine kontroverse Diskussion. Haupttenor unter den Anwesenden war, dass zunächst einmal eine Bedarfsanalyse vorliegen müsse, auf deren Basis eine Planung erarbeitet werden kann. Die Stadt Konstanz bemüht sich derzeit darum, ein Nahversorgungskonzept für alle Stadtteile zu erstellen. Die Grundlage hierfür ist die Erfassung der potenziellen Nachfrage, die mittlerweile bereits erfolgt ist und hier als pdf-Datei abgerufen werden kann. Eine der am Stammtisch anwesenden Ortschaftsrätinnen berichtete, dass die Stadt Konstanz die Konzepterarbeitung für die Vororte an die Ortschaftsräte zurückübertragen hat. Dazu soll eine Arbeitsgruppe vor Ort eingerichtet werden. Aus dem Publikum kam die Ankündigung eines in Litzelstetten ansässigen Gartenunternehmers, dass er seinen Betrieb im Gebiet „Hafner“ zwischen Litzelstetten und Wollmatingen aufgeben muss und stattdessen bereits ein Grundstück am Konstanzer Weg erworben hat, welches er für einen Nahversorger entwickeln möchte. Die Mehrheit der Teilnehmer war sich einig, dass zunächst die Erkenntnisse aus der Bedarfsanalyse vorliegen sollten, bevor man sich für ein spezielles Konzept stark macht. Aus der Zuhörerschaft kam andererseits auch der Vorschlag in Richtung des Mittelständlers, er möge einfach einen Bauantrag stellen, um Klarheit darüber zu schaffen, ob eine Realisierung tatsächlich möglich wäre. Er selbst möchte hingegen noch mehr Sicherheit, ob seine Vorstellung der Konzeption von der Bevölkerung befürwortet würde.

Zur Dorfmitte Litzelstetten machte einer der anwesenden Anwohner zunächst eine Klarstellung. Nach seinem Verständnis liegt das Verfahren wegen seines Einspruches keineswegs beim Verwaltungsgericht, sondern beim Regierungspräsidium Freiburg. Eine Ortschaftsrätin wies entsprechend darauf hin, dass es für das Regierungspräsidium keine Fristen gibt, bis wann derartige Vorgänge bearbeitet und entschieden sein müssen. Der Nachbar, der in unmittelbarer Nähe zu dem WOBAK-Grundstück an der Martin-Schleyer-Straße wohnt, erklärte darauf deutlich, dass er klagen würde, falls das Regierungspräsidium gegen seine Einwände entscheidet. Damit könnte sich das Bauprojekt nochmals unkalkulierbar lange verzögern. Der Anwohner machte während des Stammtisch aber auch deutlich, dass er sehr an einer Einigung mit dem Grundstückseigentümer interessiert sei. Auch zu einem Gespräch über seinen Vorschlag, das Baugrundstück von der Wohnbaugesellschaft Konstanz zu übernehmen und es mitsamt seines angrenzenden Grundstücks für neue Wohnungen zu entwickeln, zeigte er sich bereit. Der Nachbar regte an, einen runden Tisch zu etablieren, um einfach alle Beteiligten einmal an einen Tisch zu bringen. Eine der Ortschaftsrätinnen informierte, dass die WOBAK aktuelle Planungen mit dem Neubauprojekt überdenkt und in der zweiten Jahreshälfte Ergebnisse vorlegen will.

Nach gut zweieinhalb Stunden Diskussion vertagte sich der Stammtisch mit weiteren Themen auf das nächste Mal. Denn bereits in acht Wochen soll eine Neuauflage dieses direktdemokratischen Formats geplant werden; dann dürfte sich die Runde intensiv mit der Dorfentwicklung, dem UNESCO-Weltkulturerbe am Krähenhorn, der Idee einer Webcam für Litzelstetten, der Barrierefreiheit im Ort und der Vernetzung sozial Engagierter beschäftigen. Währenddessen wartet das Team der „Bodanbürger“ auf weitere Vorschläge für die nächste Tagesordnung. Sie können unter post@bodanbuerger.de eingereicht werden. Und wer künftig über die Termine des Stammtisch mit abstimmen möchte oder frühzeitig über das nächste Treffen informiert werden möchte, kann sich unter genannter Mail-Adresse in den Verteiler aufnehmen lassen.

Autoren: Wolfgang Flick, Dennis Riehle

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