Ein Großer der Litzelstetter Kommunalpolitik tritt ab: Nachruf auf den langjährigen Ortsvorsteher Rudolf Riedle

Rudolf Riedle, ehemaliger Ortsvorsteher von Litzelstetten
Rudolf Riedle, ehemaliger Ortsvorsteher von Litzelstetten, (c) Foto: Ortsverwaltung Litzelstetten

Er war ein Ortsvorsteher, wie ihn sich die Litzelstetterinnen und Litzelstetter gewünscht haben: Mit seiner weltoffenen Art, mit seiner Freundlichkeit und Bürgernähe, seinem politischen Geschick und der nötigen Portion Humor ist Rudolf Riedle in die Herzen vieler Menschen in und über unseren Ort hinaus eingegangen. Nun ist der langjährige Vorsitzende des Ortschaftsrates Litzelstetten gestorben. Doch auch wenn wir damit ein Urgestein Litzelstetter Kommunalpolitik verlieren, bleiben uns die Erinnerungen an ihn für immer erhalten. Denn er hat sich um unser Dorf verdient gemacht und hat nach seinem Beruf die Aufgabe als Oberhaupt unseres Teilortes mit großer Hingabe verrichtet. Bei Rudolf Riedle gab es keine halben Sachen: Er stand für Genauigkeit, Präzision und Gewissenhaftigkeit. Dennoch hat ihn das nicht davon abgehalten, stets diplomatisch nach den besten Lösungen für Litzelstetten zu suchen. Und das ist ihm auch gelungen: Während seiner Amtszeiten ging der Ort mit großen Schritten vorwärts.

1942 während des Zweiten Weltkriegs geboren, gehörte Rudolf Riedle zu einer Generation, der es um ein friedliches Miteinander besonders wichtig war. Daher wurde er auch nicht laut, wenn es zu Konflikten kam. Stattdessen hat er den Dialog gesucht – nicht nur mit seiner eigenen Fraktion. Ihm war der Blick über den politischen Tellerrand wichtig, CDU und SPD hatten neben seinen „Freien Wählern“ die gleichen Chancen und Möglichkeiten, ihre Ideen im Dorf umzusetzen. Denn Riedle entschied nicht nach Lagern oder Couleur, sondern nach den sinnvollsten Maßnahmen für unseren Ortsteil. Von 1983 bis 1999 gehörte er dem Gremium als einfacher Ortschaftsrat an, ehe er dann zum Ortsvorsteher gewählt wurde und am 31.03.2012 aus eigener Entscheidung sein Amt zurücklegte. Diese Geste, die eigenen körperlichen Grenzen zu erkennen, wurde dem mittlerweile zum Vollblutpolitiker gewordenen Rudolf Riedle hoch angerechnet. Zweifelsohne gilt: Er war bei den Menschen beliebt, weil er ihre Sprache gesprochen hatte.

Riedle war es stets wichtig, die Bürger in seiner Politik mitzunehmen. Er legte großen Wert auf Kommunikation, gab den Anstoß für ein eigenes Konzept zur verbesserten Öffentlichkeitsarbeit mit Newsletter und regelmäßiger Berichterstattung im Mitteilungsblatt. Die Einwohner sollten die Chance bekommen, unabhängig jeden Alters mit der für sie optimalen Nutzung der Medien über das Aktuellste in Litzelstetten auf dem Laufenden zu bleiben. Doch nicht nur die Außenerscheinung des Ortschaftsrates war ihm ein großes Anliegen: In den Jahren seiner Amtszeit stand die Sache im Mittelpunkt. Taktiererei verhinderte Riedle mit seiner geschickten Art, auf die unterschiedlichen Meinungen in der Runde einzugehen. Und er wollte die mitnehmen, die von den Entscheidungen des Ortschaftsrates betroffen waren. Als Ortsvorsteher war er ein Glücksgriff für Litzelstetten, verstand er doch die Sorgen und Nöte der Menschen und war bereit, nach seinen Kräften und in seinem Ermessenspielraum Lösungen zu finden.

Besonders seine Warmherzigkeit, seine Geduld und sein Zuhören werden in Erinnerung bleiben – und sind all seinen Nachfolgern ein Vorbild gewesen, wie ein Politiker vor Ort die Bürger versteht, ernstnimmt und begleitet. Denn ein offenes Ohr hatte Rudolf Riedle stets. Nicht nur für die Einwohner, sondern auch für die Mitarbeiter in der Ortsverwaltung, im Bauhof und bei der Stadt. Im Gemeinderat setzte er sich mit seiner beratenden Stimme vehement für die Anliegen von Litzelstetten ein – und auch manches Gespräch mit den Zuständigen im Konstanzer Rathaus wurde zu einer harten Nuss, wenn sich Riedle für ein Projekt unseres Vorortes aussprach. Er betonte die Eigenständigkeit Litzelstettens einerseits, machte aber auch keinen Hehl daraus, wie froh er über die Eingemeindung gewesen ist, aus der unser Dorf bis heute viele Vorteile zieht. Riedle formte den Spannungsbogen aus Beharrlichkeit und Flexibilität, wenn er erkannte, dass der eingeschlagene Weg nicht der zielführende sein würde.

Die in seiner Karriere im Ort angegangenen politischen Projekte hat Rudolf Riedle mit Vehemenz verfolgt. Und auch wenn er manches Mal an den langsam mahlenden Mühlen der Zeit zu scheitern drohte, forcierte er einige Vorhaben mit großer Leidenschaft und Herzblut. Dazu gehörte die Einleitung eines Beteiligungsprozesses zur Litzelstetter Ortsmitte; die Umsetzung eines Neubaus auf dem WOBAK-Areal an der Ecke Martin-Schleyer-Straße / Kornblumenweg ist allerdings bis heute noch nicht umgesetzt. Dennoch war es Riedle, der die anfangs wenig begeisterten Mitbürger ins Boot holte und gemeinsam nach einem Entwurf suchte, der mehrheitlich Anklang finden sollte. In der Stadtentwicklung „Agenda 2020“ war Litzelstetten durch das Zutun von Rudolf Riedle ebenso beteiligt wie am Umbau und an der Neugestaltung unseres „Milchhäusles“, das seither unterschiedlichsten Gruppen Heimat bietet. Für die Sanierung der Martin-Schleyer-Straße sprach er sich ebenso aus wie für die lang ersehnte Querungshilfe am Buchhaldenhof. Letzteres konnte dann doch noch recht schnell realisiert werden…  

Zum Abschluss noch einige persönliche Worte: Ich selbst durfte dich, lieber Rudolf, in den letzten Jahren deiner Tätigkeit als Ortsvorsteher intensiv begleiten. Du hast mich in das Geschehen in Litzelstetten miteinbezogen, damit ich als Redakteur für unser „Blättle“ und den Litzelstetter Newsletter die passenden Texte an unsere Bevölkerung richten konnte. Unser gegenseitiges Miteinander war von tiefem Vertrauen geprägt, du hast mich beratend zur Seite genommen und warst für Ideen, Vorschläge und Anregungen meinerseits stets offen. Über die Zeit hat sich ein freundschaftliches Verhältnis entwickelt, das auch nach der Zeit deines politischen Lebens weiter anhielt. Ich habe deine Durchhaltekraft stets bewundert, deine Eigenverantwortung und Selbsteinschätzung waren vorbildlich. Du hast in mir das Interesse an Kommunalpolitik geweckt und mir ein Ehrenamt an die Hand gegeben, mit dem ich bis heute etwas an „mein“ Litzelstetten zurückgeben kann. Bei unzähligen Treffen, Gesprächen und Terminen nahmst du mich mit, hattest den Wunsch, meine Sicht der Dinge zu hören. Für all das bin ich dir dankbar, denn ich zehre auch jetzt noch von diesen Begegnungen.

Wir verneigen uns vor der Lebensleistung von Rudolf Riedle, danken ihm dafür, dass er als Demokrat durch und durch verstanden hat, die Meinungsvielfalt als höchstes Gut zu ehren und die Kommunalpolitik als jene Ebene in unserem staatlichen System zu verstehen, die ganz nah bei den Menschen ist, und hoffen allseits, dass die Nachwirkungen seines Handelns auch in den kommenden Jahrzehnten sichtbar bleiben. Wir konnten von Rudolf Riedle lernen, wie wichtig es ist, Partizipation zu leben und an der Gestaltung des eigenen Lebensumfeldes aktiv mitzuwirken. Mögen Politiker und Bürger auch künftig dieser Prämisse folgen, denn dadurch wird unser gemeinschaftliches Verständnis von Teilhabe gestärkt bleiben. Rudolf Riedle hat Spuren hinterlassen, die niemand einnehmen kann, die wir aber überall im Dorf sehen, wenn wir mit wachsamen Augen durch die Welt gehen. Das Andenken bleibt, dafür sind die Verdienste unseres Ortsvorstehers a.D. zu groß. Für die Zeit von Trauer und Abschiednehmen wünschen wir vor allem der Familie von Rudolf Riedle Kraft und Stärke – und hoffen, dass die Anteilnahme der Litzelstetter ein Stück weit Trost spendet.

Autor: Dennis Riehle

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