Karfreitag: Hoffnung ohne Gottesdienst – Ostern zu Zeiten von Corona

Karfreitag, (c) Foto: Thomas. B. auf www.pixabay.com
Karfreitag, (c) Foto: Thomas. B. auf www.pixabay.com

Bei den Protestanten gilt er als der höchste Feiertag im Jahr. Und auch die katholische Gemeinde begeht den Karfreitag mit tiefer Demut, Trauer und Entsetzen über die Qualen und das Sterben Jesu Christi. In diesem Jahr dürften viele Gläubige besonders hadern, denn sie haben keine Möglichkeit, ihren Glauben gemeinsam mit anderen Mitchristen im Gottesdienst zu bekennen. Die „Corona-Krise“ macht es jenen, die die biblische Geschichte vom Kreuzestod des Messias ernst nehmen, besonders schwer. Denn gerade in der liturgisch eindrucksvollsten Zeit des Kirchenjahres ist der Zusammenhalt mit den Mitgeschwistern von zentraler Bedeutung.

Auch auf dem Bodanrück müssen die Gläubigen auf die Messe verzichten. Zwar werden zahlreiche Gottesdienste im Fernsehen und im Radio übertragen. Doch der vertraute Gang in die Kirche ist verwehrt. Der Blick auf den verhüllten Jesus fällt aus. Die Predigt über die letzten Stunden des Religionsstifters bleibt unausgesprochen. Und letztlich erinnern allein die stillschweigenden Glocken daran, welch Schmach und Pein Christus ertragen musste. Gerade in Augenblicken, in denen wir durch die fehlenden Kontakte zu unseren Liebsten ohnehin seelisch ausgetrocknet sind, müssen wir auch auf geistliche Nahrung verzichten.

Im Lehrtext aus 1. Petrus 2, 24-25 steht zum heutigen Karfreitag zu lesen: „Durch seine Wunden seid ihr heil geworden. Denn ihr wart wie irrende Schafe; aber ihr seid nun umgekehrt zu dem Hirten und Bischof eurer Seelen“. Solche Worte können trösten, denn Christen vertrauen darauf, dass mit dem Tod nichts vorbei ist. Ihrem Glauben nach hat die Kreuzigung einen Sinn, die Vergebung der Sünden. Im letzten Abendmahl hat Jesus uns auf Verrat und Geißelung eingestimmt. Er konnte mit Zuversicht nach vorne schauen, auch wenn er fragen musste: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ (Markus 15,34) – denn er wusste darum, dass er nicht tiefer als in die Hand seines Schöpfers fallen konnte (vgl. EG 533).

Der Karfreitag stimmt uns ein auf unseren eigenen Werdegang, der letztlich mit dem irdischen Tod zu Ende sein wird. Doch auch wir sollen uns nicht fürchten, weil wir aus der eigenen Erfahrung wissen, dass nach der ärgsten Depression irgendwann „ein Licht am Ende des Tunnels“ aufblitzen wird. Das ist auch für all jene, die nicht im christlichen Glauben verhaftet sind, eine Hoffnung inmitten unseres Daseins. Wir können aus den Schmerzen auferstehen und gehen gestärkt auf neue Wege. Denn wir haben gelernt, aus der Krise emporzusteigen. Ohne Leiden gibt es keine Freude. Diese Lebensweisheit möge die Bürger auf dem Bodanrück nicht nur durch „Covid-19“, sondern durch die gesamte Osterzeit begleiten.  

Autor: Dennis Riehle, Konstanz

Ersten Kommentar schreiben

Antworten

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.


*