Ostermontag in Litzelstetten – Andacht und Stille zuhause

Szene des Evangeliums vom Ostermontag (Ölgemälde von Abraham Bloemaert, 1622)
Szene des Evangeliums vom Ostermontag: Die beiden Jünger erkennen Jesus beim Brechen des Brotes in Emmaus (Ölgemälde von Abraham Bloemaert, 1622)

Die Menschen auf dem Bodanrück haben das Osterfest in ihrem engsten Familienkreis oder erstmals vielleicht gar alleine verbracht. Denn das „Corona-Virus“ hat über das gesamte Wochenende, das sonst als das umsatzstärkste im Tourismus gilt und besonders viele Besucher an den Bodensee lockt, für eine große Stille gesorgt. Nur vereinzelt waren Eltern mit ihren Kindern auf den Straßen unterwegs, um nach dem Osterhasen Ausschau zu halten. Auch die üblichen Besuche in den Gottesdiensten blieben aus, nachdem die Kirchen aufgrund der Pandemie geschlossen waren. Und trotzdem scheint der Zusammenhalt in der Bevölkerung ungebrochen, wie es uns über die verschiedenen Medienkanäle berichtet haben.

Denn selbst wenn in diesem Jahr keine Möglichkeit bestand, sich während der Ostermesse geistlichen Beistand einzuholen und sich von der Predigt Nahrung für die Seele mitzunehmen, praktizierten viele Christen das Fest in ihren eigenen vier Wänden. Auch Gottesdienste vom Bodanrück wurden im Netz übertragen. Und so war die Teilhabe am höchsten Fest der Christenheit dennoch gegeben.

Der heutige Ostermontag erinnert die Gläubigen daran, wie unerwartet die Auferstehung Jesu für seine Anhänger kam. Der Lehrtext dazu steht in Matthäus 28, 5.7: „Der Engel sprach zu den Frauen: Geht eilends hin und sagt seinen Jüngern: Er ist auferstanden von den Toten. Und siehe, er geht vor euch hin nach Galiläa; da werdet ihr ihn sehen“.

Auch wenn wir dem christlichen Glauben kritisch gegenüberstehen sollten, so fasziniert die jahrhundertealte Darstellung von der Wiederkunft des Gottessohnes doch viele Menschen. Am zweiten Osterfeiertag gedenken wir insbesondere der Langzeitwirkung, die Jesus auf die Jünger hatte. Und sie hinterlässt bei uns unbändiges Staunen: Lohnt es sich wirklich, auch in den finstersten Stunden des Lebens nicht zu verzagen? Können wir darauf bauen, dass wir über Krankheit, Trauer und Hilflosigkeit hinweggetragen werden? „Nächstenliebe“ nennen es die Christen, „Solidarität“ heißt es bei den Humanisten – und doch bezeichnet es dasselbe: Wir sind nicht einsam auf unserem Weg. Und Ostern macht uns deutlich, dass wir füreinander Verantwortung übernehmen sollten. Das bedeutet gerade jetzt: Zuhause bleiben, Abstand halten, Mundschutz tragen.

Autor: Dennis Riehle, Konstanz

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