Stellungnahme der Leopoldina macht Hoffnung zur Lockerung der Einschränkungen wegen Corona-Pandemie

Logo der Leopoldina - Nationale Akademie der Wissenschaften
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Die Leopoldina (Nationale Akademie der Wissenschaften) empfiehlt angesichts des aktuellen Pandemie-Verlaufs, der gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise u.a. eine schrittweise Öffnung des Bildungsbereichs und eine schrittweise Normalisierung des Öffentlichen Lebens.

Als besonders wichtig erachten die Wissenschaftler allerdings auch eine Optimierung der Entscheidungsgrundlagen mit substantiell besseren und repräsentativen Daten zum Infektions- und Immunitätsstatus der Bevölkerung. Die Präzision der jetzt eingesetzten Modelle müsse zur Kurzzeitprognose und Vorhersage des Pandemieverlaufs z.B. durch GPS-Analysen in Verbindung mit Kontaktnachverfolgungen gesteigert werden.

Die bisher getroffenen und zukünftigen Maßnahmen müssen ihre Akzeptanz ganz wesentlich durch Selbstschutz und Solidarität erreichen und weniger auf der Basis von Sanktionen. Deshalb sei es wichtig, das individuelle Risiko realistisch und anschaulich zu beschreiben und zu kommunizieren.

Der Bildungsbereich habe bereits einen massiven Rückgang an Betreuung, Lernen und Lehren sowie einer Zunahme sozialer Ungleichheit erlitten. Deshalb schlägt die Leopoldina-Stellungnahme vor, möglichst bald und zuerst die Grundschulen und Sekundarstufe I schrittweise zu öffnen. Der Schulunterricht für ältere Schüler könne später wieder erfolgen, da diese Altersklassen recht gut mit Fernunterricht und digitalen Alternativen zurecht kämen. Eine frühzeitige Öffnung der Kindertagesstätten wird nicht empfohlen, da notwendige Schutzmaßnahmen wie Abstandhalten und andere Schutzmaßnahmen bei den Kindern kaum durchgesetzt werden könnten.

Das Öffentliche Leben könne man wieder schrittweise normalisieren, wenn folgende Voraussetzungen erfüllt werden:

  • Neuinfektionen nur noch auf niedrigem Niveau
  • klinische Reservekapazitäten aufgebaut und uneingeschränkte Versorgung anderer Patienten
  • disziplinierte Einhaltung der Schutzmaßnahmen (Abstand, Masken, Hygiene, etc.).

Dann könnten auch Einzelhandel und Gastgewerbe unter Beachtung der Schutzmaßnahmen wieder öffnen und Einrichtungen mit Publikumsverkehr wieder tätig werden. Auch Dienstreisen sollten dann wieder möglich sein.

Am kommenden Mittwoch den 15.04.2020, berät Kanzlerin Angela Merkel per Telefonkonferenz mit den Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten der Bundesländer über das weitere Vorgehen im Umgehen mit der Pandemie. Wie aus politischen Kreisen bekannt ist, wird die Leopoldina-Stellungnahme dabei eine wichtige Grundlage sein.

Autor: Wolfgang Flick, Quelle: Pressemitteilung der Leopoldina, Nationale Akademie der Wissenschaften, Halle (Saale)

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