Rundgang mit dem Behindertenbeauftragten: Zahlreiche Baustellen in Sachen „Barrierefreiheit“

Beitragsbild barrierefrei, (c) Foto: katermikesch auf www.pixabay.com
Beitragsbild barrierefrei, (c) Foto: katermikesch auf www.pixabay.com

Am 07. April 2020 trafen sich der Behindertenbeauftragter der Stadt Konstanz, Stephan Grumbt, und Ortsvorsteher Wolfgang Gensle zu einem Rundgang durch Litzelstetten. Die Begehung war angedacht worden, um weitere Schwachstellen in der örtlichen Infrastruktur zu finden, die nicht barrierefrei ausgestattet sind. Bereits vor Jahren hatte der Litzelstetter Dennis Riehle, der selbst gehbehindert ist, gemeinsam mit der Ortsverwaltung eine Präsentation erarbeitet, in welcher unterschiedliche Hürden für bewegungseingeschränkte Menschen oder Eltern mit Kinderwagen aufgeführt wurden.

Der jetzige Besuch des Behindertenbeauftragten war bereits länger geplant und konnte nun trotz „Corona“-Krise durchgeführt werden. Bei ihrer Begehung stellten Grumbt und Gensle zahlreiche verbesserungswürdige Zustände fest, die vor allem die Martin-Schleyer-Straße betreffen: An allen drei Ampelanlagen (Waldfriedhof, Tankstelle, Betreutes Wohnen) fehlt die taktile Ausstattung, mithilfe derer auch seh- und hörbehinderten Menschen die Nutzung des Lichtzeichens erleichtert werden könnte. Insgesamt fehlen an fünf der sechs Bushaltestellen im Ort die sogenannten „Kasseler Borde“, eine Erhöhung, die den Einstieg für Rollatornutzer, Kinderwagen und gehbehinderte Menschen erleichtern würde. Lediglich an der Haltestelle „Zum Purren“ stadteinwärts ist dafür gesorgt. An der Haltestelle stadtauswärts sowie an den Haltepunkten Tankstelle und Waldfriedhof fehlen jeweils beidseits die Anhebungen, zudem wurde die teils enge Gehwegführung kritisiert und Wartehäuschen angemahnt. Dies gilt insbesondere für die Stationen „Zum Purren“ (stadtauswärts) und „Tankstelle“ (stadtauswärts). Zudem sind die Gehwege dort sehr beengt.

Am Waldfriedhof wurde darauf aufmerksam gemacht, dass ein behindertengerechtes WC fehlt. Möglicherweise kann das Damen- und Herren-WC zu einer barrierefreien Toilette umgebaut werden. An der Bushaltestelle Tankstelle entsteht durch die dort angelagerten Parkmöglichkeiten für PKW eine oft unüberschaubare und damit potenziell gefährliche Ausgangslage, die verbessert werden sollte. Im Bereich der Dorfmitte, an der Martin-Schleyer-Straße, auf Höhe Bäckerei „Fricke“ bis zur Apotheke, ist durch Autostellplätze eine sehr enge Gehwegbreite entstanden, an der zu Stoßzeiten gerade Rollatorfahrer und Kinderwagen nur bedingt vorbeikommen. Desweiteren wurde vom Behindertenbeauftragten die Fahrbahnquerung an der Haltestelle „Zum Purren“ gelobt, allerdings ist die Steigung der Auffahrtkante auf den Gehweg auf der Straßenseite stadteinwärts für Rollstuhlfahrer zu steil. Am Holdersteig wurde der Übergang zur evangelischen Kirche ins Augenmerk gefasst: Dort ist der Zugang erschwert, weil eine Gehwegabsenkung fehlt. Die Straße am See vom Holdersteig bis zum Strandbad ist der vielbefahrene Bodenseeradweg, Fußgänger, Autos und Radfahrer müsse sich hier die Fahrbahn teilen, was zu gefährlichen Situationen führt. Hier sollte dringend Abhilfe geschafft werden. Im Strandbad selbst fehlt sowohl ein behindertengerechtes WC, behinderten Menschen ist zudem der barrierefreie Zugang in den See verwehrt.

In der Großherzog-Friedrich-Straße wurde bemängelt, dass eine Fahrbahnquerung auf Höhe des Rathauses fehlt. Im Rathaus wiederum fehlt der barrierefreie Zugang in den 1. Stock und somit der Zugang zum Bürgersaal und ins „Soziale und Kulturelle Zentrum“ (SoKuZ), sowie ein behindertengerechtes WC. Der Zugang zur Schule stellt sich ebenfalls nicht barrierefrei dar – und gegenüber der Postfiliale ist der Gehweg der Großherzig-Friedrich-Straße durch einen Verteilerkasten sehr stark eingeengt. Im Nachgang an die Runde erinnerte Dennis Riehle auch nochmals an die regelmäßige Aufforderung an die Litzelstetter Grundstücksbesitzer, ihre Hecken und Sträucher stets rückzuschneiden, um gerade in Kurvenbereichen eine gute Einsicht für behinderte Menschen zu schaffen. Auch die Gehwege sollten barrierefrei gehalten werden, indem kontinuierlicher Rückschnitt stattfindet. Dafür sind die Besitzer verantwortlich. Riehle fügte auch die engen Gehwege in der Alten Torkelbergstraße, im Sankt-Katharinen-Weg und Am Guckenbühl an, schlug eine Lösung zur besseren Einsicht der Großherzog-Friedrich-Straße an der Einmündung in die Hauptstraße vor, erinnerte an einen barrierefreien Zugang zur Aussichtsplattform auf dem Purren, dachte an die teils schlecht befestigten Gehwege im Bereich Adenauerstraße, Dorffriedhofsweg und Alte Torkelbergstraße und warf den Gedanken auf, auch das Litzelstetter Mitteilungsblatt barrierefrei zu gestalten, beispielsweise mit einer größeren Schriftgröße und der Anwendung Leichter Sprache. Sicherlich wird sich der Ortschaftsrat bei den nächstmöglichen Zusammenkünften über die Ergebnisse des Rundgangs beraten und weitere Schritte in die Wege leiten.

Autor: Dennis Riehle

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