Fronleichnam auf dem Bodanrück: Die Leibhaftigkeit Christi spüren…

Fronleichnam
Fronleichnam, (c) Foto: JAE auf pixabay.com

Heute feiern die katholischen Christen – nicht nur auf dem Bodanrück – das Hochfest des Sakraments der Eucharistie: An Fronleichnam kommen die Gläubigen zusammen, um nach sprachlicher Herkunft aus dem Mitteldeutschen dem Leib des Herrn zu huldigen. Das Fest wurde erstmals im Jahr 1246 begangen und stellt bis heute einen wesentlichen Höhepunkt im katholischen Kirchenjahr dar. Es lehnt sich eng an den Gründonnerstag an, als Jesus Christus das letzte Mal das Abendmahl einsetzte. Die liturgische Nähe zur Karwoche verbietet es, Fronleichnam in seiner Festlichkeit besonders auszuschmücken. Denn die Erinnerung an das Leiden und Sterben Jesu Christi wird zu Fronleichnam erneut wach. Bis heute wird das Fest aus diesem Grund am Donnerstag nach der Oktav von Pfingsten begangen – dort, wo kein gesetzlicher Feiertag gilt, wird Fronleichnam am darauffolgenden Sonntag begangen.

Papst Urban IV. formulierte anlässlich der Einführung von Fronleichnam: „Wir haben es daher, um den wahren Glauben zu stärken und zu erhöhen, für recht und billig gehalten, zu verordnen, dass außer dem täglichen Andenken, das die Kirche diesem heiligen Sakrament bezeigt, alle Jahre auf einen gewissen Tag noch ein besonderes Fest, nämlich auf den fünften Wochentag nach der Pfingstoktav, gefeiert werde, an welchem Tag das fromme Volk sich beeifern wird, in großer Menge in unsere Kirchen zu eilen, wo von den Geistlichen und Laien voll heiliger Freude Lobgesänge erschallen“. Luther stand diesem Fest dagegen besonders kritisch gegenüber und formulierte 1530: „Ich bin keinem Fest mehr feind […] als diesem. Denn es ist das allerschändlichste Fest. An keinem Fest wird Gott und sein Christus mehr gelästert, denn an diesem Tage und sonderlich mit der Prozession. Denn da tut man alle Schmach dem heiligen Sakrament, dass man’s nur zum Schauspiel umträgt und eitel Abgötterei damit treibet. Es streitet mit seiner Schmink und erdicht’en Heiligkeit wider Christi Ordnung und Einsetzung. Denn er es nicht befohlen hat also umherumtragen. Darum hütet euch vor solchem Gottesdienst!“. Es war nicht verwunderlich, dass sich gegen diese Sichtweise rasch eine „Gegenreformation“ in Stellung brachte.

In der heutigen Praxis wird an Fronleichnam vielerorts mit Salutschüssen auf das Fest aufmerksam gemacht. Daneben kommen Weihrauch und Altarschellen zum Einsatz, um dem Leib Christi zu würdigen. Das Ausgestalten ganzer Straßenzüge mit prächtigen Blumenteppichen gehört ebenfalls zum Brauchtum, ob es angesichts der Corona-Krise auch auf dem Bodanrück in diesem Jahr zu ähnlich aufwändigen Schmückungen wie in der Vergangenheit kommen wird, muss sicher abgewartet werden. Doch trotz der Beschränkungen durch die Pandemie lassen sich die katholischen Gläubigen ihr Fest Fronleichnam nicht nehmen: Mit Fahnen und Fähnchen, mit Stationsaltaren und einer würdigen Monstranz wird daran erinnert, dass Jesus Christus nach Tod und Auferstehung leibhaftig bei uns ist. Dieser Zusage können alle Christen gewiss sein, ob an Fronleichnam oder anderntags.

Autor: Dennis Riehle

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