Litzelstetten im Wandel

Schriftzug Meinung
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Bevölkerungsentwicklung der Stadtteile am Beispiel von Litzelstetten.

Die Entwicklung ist eindeutig: Unsere Gesellschaft wird älter. Auch in Konstanz hat sich der Trend verfestigt, wonach sich die berühmte Alterspyramide wandelt. In vergangenen Erhebungen wurde für Litzelstetten eine besonders starke Zunahme an hochbetagten Menschen in den kommenden Jahrzehnten vorhergesagt – eine Spitzenposition unter den Stadtteilen. Und auch wenn sich manche Zahlen über die Zeit hinweg relativieren mögen, so bleibt die elementare Herausforderung bestehen: Wie gestalten wir fortan unsere Umgebung, in der immer weniger junge Bewohner auf immer mehr alte Mitbürger stoßen?

Die Antwort ist nicht allein bei der Frage nach bezahlbaren Wohnungen zu suchen. Litzelstetten kennt ohnehin kaum noch Bauland, das für die Schaffung neuer Lebensräume zur Verfügung stünde. Deshalb müssen wir unser Augenmerk auf die Fortentwicklung der dörflichen Strukturen legen. Bevölkerungsspezifisches Wachstum wird es kaum noch geben, unser Ziel muss es aber sein, keine Abwanderung von Einwohnern zu riskieren. Es ist schlimm genug, dass wir Familien, die sich Litzelstetten als ihr neue Heimat ausgeguckt haben, kein adäquates Angebot zum Hierbleiben machen können.

Während uns also in der Schaffung neuer Wohnviertel die Hände gebunden sind, können wir an der Attraktivität unseres Teilortes arbeiten: Schon heute sollten wir sicherstellen, dass die medizinische Versorgung langfristig erhalten wird. Ich befürworte einen Runden Tisch mit allen örtlichen Vertretern des Gesundheitswesens, aber auch eine Zusammenkunft der Gewerbetreibenden. Sie alle werden sich auf eine neue Nachfragesituation einstellen müssen, das Kundenklientel ändert sich und die Bedarfe werden andere sein als bisher. Auch die Nachfolgesituation in Praxen und den Geschäften des Ortes dürfte uns alsbald befassen.

Als Erholungsort und Heimat eines UNESCO-Weltkulturerbes bedarf es Bemühungen, auf uns aufmerksam zu machen. Wir müssen dieses einmalige Prädikat nutzen, um den Tourismus zu stärken, denn dadurch wird Litzelstetten lebendig: Sind wir einladend genug? Bieten wir attraktive Übernachtungsmöglichkeiten? Kann man bei uns als Gast etwas erleben? Kontinuierlich wird zu prüfen sein, ob die Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr weiterhin ausreichend ist. Es bedarf eines öffentlichen Raumes, der nicht nur einladend ist, sondern die Bewohner verbindet. Das Straßendorf muss endlich zur Begegnungszone werden. Und auch die Familienfreundlichkeit sollten wir bei allen anstehenden Investitionen berücksichtigen.

Daneben gilt: Wie können wir Barrierefreiheit garantieren? Bieten wir den älteren Bürgern seniorengerechte Strukturen an, von Freizeitmöglichkeiten über Vorsorge bis zu sozialen Netzen, die im Zweifel einspringen können, um die nachlassenden Fähigkeiten im Alltag zu kompensieren? Und wie können wir jene Menschen, die in ihrem angestammten Umfeld möglichst lang verweilen möchten, pflegerisch betreuen – welche Konzepte lassen sich in Litzelstetten verwirklichen? Es scheint klar: Wir werden künftig auf deutlich mehr Solidarität der Generationen setzen müssen. Es braucht vermehrtes Engagement des Einzelnen – und eine Besinnung auf Verantwortung in den Quartieren. Die Nachbarschaften müssen gestärkt werden, denn ein sorgendes Miteinander garantiert hohe Lebensqualität. Ein ständiges Gespräch zwischen den Vereinen und Initiativen ist nötig, um zivilgesellschaftlichen Rückhalt für all die zu garantieren, die auf die Hilfe der Nächsten angewiesen sind. Mit Blick auf die herannahenden Veränderungen können wir bereits heute Weichen stellen. Die Politik ist eingeladen, sich vorausschauende Gedanken zu machen. Handeln wir jetzt, damit wir nachhaltige Lösungen finden. Litzelstetten ist es wert, sich für eine prosperierende Zukunft einzusetzen. Gestalten wir seine Entwicklung gemeinsam – es ist noch lange nicht zu spät.

Autor: Dennis Riehle

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