Gedanken zum Christfest 2020

Frohe Weihnachten
Frohe Weihnachten

Sicherlich hatten wir uns das ganz anders vorgestellt: Nach einem Jahr, das von Mundschutz, Handhygiene und Kontakteinschränkungen geprägt war, sollte wenigstens Weihnachten die Gelegenheit bringen, zumindest kurzzeitig in eine Art von Normalität zurückzukehren. Allerdings merken wir bereits in der Adventszeit, dass 2020 nichts so ist, wie wir es aus der Tradition heraus kennen. Da gibt es keinen Glühwein auf dem Weihnachtsmarkt, da fallen die Weihnachtsfeiern mit Kollegen aus und schließlich bestellen wir die Geschenke für unsere Liebsten online, weil wir uns in den Innenstädten keiner Ansteckungsgefahr aussetzen wollen. Corona bringt uns seit Monaten sozialen Rückzug, wir sehnen uns nach realem Miteinander unter Bekannten, statt sie ausschließlich per Video-Chat zu treffen. Eigentlich sollte das Christfest der Moment des Jahres sein, an dem wir unbeschwert mit all unseren Nächsten zusammenkommen und das Leben feiern. Schließlich erinnern wir uns dieser Tage wieder daran, dass Jesus zur Welt kam. Es entsteht Neues, das uns letztlich selbst ermutigen soll, wieder auf einen Anfang zurückzukehren und nochmals zu starten.

So ist es auch in unserer Gesellschaft: Mit den wiederkehrenden Maßnahmen der Regierung und einem ständigen Lockdown, der die Pandemie eindämmen soll, gehen wir auf null. Unser Alltag steht zeitenweise still, Geschäfte müssen schließen und ihre Inhaber hoffen, dass sie mit Finanzspritzen unserer Solidargemeinschaft eine weitere Chance bekommen, den eigenen Laden am Laufen zu halten und die Existenz zu sichern. Viele Menschen verbringen die momentane Phase in Angst vor der Zukunft, in Einsamkeit und Depression, teilweise blicken sie verzweifelt auf das, was sie aufgebaut haben und nun unter der Last der Krise in sich zusammenbricht. Andere wiederum trauern um einen geliebten Menschen, der das Virus nicht überstanden hat oder auf einer der vielen Intensivstationen um seine Gesundheit kämpft. Wenngleich wir wohl eine Vorweihnachtszeit erleben, die noch nie derart ruhig und entschleunigt verlief, ist das Jahresende dieses Mal eher düster und traurig. Auf Vieles von dem, was wir normalerweise gewohnt sind, müssen wir verzichten. Und bei Einigen hat die Quarantäne bereits zu einem Covid-19-Koller geführt, immerhin verspricht uns die Politik über die Feiertage einige Lockerungen, die aber doch nicht darüber hinwegtäuschen können, dass uns das Alleinsein lähmt. Denken wir nur an die Krankenhäuser und Pflegeheime, in denen Besuchsregelungen gelten. Aber auch an die einfachen Familien, bei denen sich ein Zusammenkommen in diesem Jahr nach vorgegebenen Obergrenzen richten muss. Oder an Silvester, wenn wir uns diesmal nicht in ausgelassener Stimmung zuprosten dürfen.

Gibt es denn nichts, worüber wir uns zu Weihnachten 2020 freuen können? Nicht allein nach religiöser Überlieferung erfahren wir in diesem Jahr Unglaubliches: Da kommt nicht nur ein Heiland auf die Welt, der den Christen unter uns Hoffnung macht. Es ist nunmehr die Stunde der Mitmenschlichkeit. Kaum hat man je zuvor eine derartige Hilfsbereitschaft, Solidarität und Gnade erlebt, mit der wir über uns hinauswachsen. Die Krankenschwestern und Ärzte, die Pflegekräfte und die betreuenden Angehörigen, die Eltern und Lehrer, die Mandatsträger und Behörden, die Nachbarn und Freunde, die Vereine und Organisationen, die Selbstständigen und die Arbeiter, die Religionsgemeinschaften und Freizeiteinrichtungen – sie alle meistern diese außergewöhnliche Zeit in unvorstellbarer Hingabe. Und darauf können wir stolz sein! Aber nicht nur das: Vielmehr bin ich wahrlich fasziniert über all die Verantwortungsbereitschaft einer großen Mehrheit in unserem Land. In einer Dekade, in der Egoismus und Selbstverliebtheit Hochkonjunktur haben, erkennen wir die Notwendigkeit, aufeinander achtzugeben. Wir werden tatsächlich demütig. Dieses altertümlich anmutende Wort passt zur Weihnachtsgeschichte: Maria und Josef waren in großer Sorge. Und auch wenn ihnen lediglich mit einem Stall geholfen wurde, waren sie angerührt von der Gastfreundlichkeit. Auf der Suche nach einer Herberge blieben sie letztlich auf Fremde angewiesen. So, wie die Infizierten in den Krankenhäusern im Dezember 2020, wie die Alten und Kranken in der Obhut von Heimen, wie die Isolierten, die ihr Haus nicht verlassen dürfen, wie die Abgeschotteten, die in der Stille Not leiden, wie die Händler, die um die Zukunft ihres Geschäfts bangen.

Wenn wir daran denken, wie die Hirten kniend an der Krippe das kleine Kind anbeteten, dann wissen wir, was dieser Tage wichtig ist: Es geht um Dankbarkeit und Freude. Nutzen wir die Zeit der Ankunft des Messias dafür, mit kleinen Gesten und wenigen Worten zu danken. Gerade in der Corona-Epidemie finden wir genügend Anlässe und Personen, denen wir uns erkenntlich zeigen können. Wie sich die Christenheit über das Geschenk des in Windeln gewickelten Christus freut, so können wir alle froh sein, dass wir einigermaßen gut durch diese epochalen Wochen gekommen sind. Nutzen wir die Augenblicke der Besinnung, für die wir dieses Jahr hoffentlich besonders viel Zeit haben. Schlussendlich sind Trost und Zuversicht schon von Bethlehem ausgegangen. Sie gelten auch jetzt. Warum sollten wir daran zweifeln?

Bleiben wir alle gesund!

Autor: Dennis Riehle

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