Standpunkt: Häme ist vollends unangebracht!

Schriftzug Meinung
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Ich kann die hämische Kritik, die nach der Februar-Sitzung des Litzelstetter Ortschaftsrates im „Südkurier“ an Wolfgang Gensle laut wurde, nicht teilen. Zweifelsohne mag es unbedarft und chaotisch anmuten, wenn die Ortschaftsräte in der Seeblickhalle einerseits physisch zusammenkommen, andererseits aber zusätzlich über eine Videokonferenz miteinander verbunden sind. Doch vergessen wir in dieser außergewöhnlichen Pandemie bitte nicht, dass viele Abläufe für uns alle ungewohnt sind.

Ich bin dankbar, dass das Gremium auch während Corona zu Beratungen zusammentrifft und über Fragen des Dorfes debattiert. Ich denke, der Ortsvorsteher hatte nur das Beste im Sinn: Nicht allein aus Gründen der Akustik, sondern auch im Angesicht des wichtigen Tagesordnungspunktes einer Präsentation der kleinräumigen Bevölkerungsvorausrechnung durch Eberhard Baier war es nachvollziehbar, dass die Ortschaftsräte ihre Laptops vor Augen hatten und sich nicht allein auf die schwierige Kommunikation des Hallengebäudes verlassen mussten. Auch ich gebe zu, als junger Mensch mit den technischen Anforderungen, die aus den Kontaktbeschränkungen und Sicherheitsabständen des Virus resultieren, noch nicht wirklich vertraut zu sein.

Fehler passieren uns allen. Sich über Andere lächerlich zu machen, halte ich an dieser Stelle für völlig unangemessen. Vielleicht wäre es sinnvoller gewesen, die Sitzung komplett als digitale Versammlung abzuhalten. Dass Außenstehenden mit dem Konzept der filmischen Übertragung gleichzeitig das Angebot zur Teilhabe an der Diskussion der Ortschaftsräte gemacht wurde, halte ich unter demokratischen Gesichtspunkten für überaus lobenswert und bedanke mich dafür, dass solch eine Möglichkeit geschaffen wurde. Daneben scheint es geboten gewesen, die Mitglieder des Gremiums auch zum Präsenztermin zu laden. Immerhin wissen wir alle aus zahlreichen Erfahrungen mit Videokamera, Tablet und Mikrofon im Wohnzimmer, dass selbst eine gut funktionierende Schaltung keine Alternative zum zwischenmenschlichen Austausch ist.

Wolfgang Gensle bemühte sich darum, auf mehreren Kanälen gleichzeitig zu fahren. Was nach außen als hilflose Geste anmuten mag, zeigt mir deutlich, wie sehr der Ortsvorsteher um die Aufrechterhaltung von möglichst großer Normalität im kommunalpolitischen Betrieb ringt. Ich finde es gut, wenn wir uns nicht an ein Leben gewöhnen, das nur noch per W-LAN funktioniert. Ich bin überzeugt, nicht allein in Litzelstetten wird man froh sein, sich endlich wieder persönlich und auf Augenhöhe begegnen zu können.

Insofern verstehe ich den Wirbel um die letzte Ortschaftsratssitzung auch als ein Zeichen von steigendem Überdruss, dass die Technik uns übermannt. Beim nächsten Mal wird es besser laufen – und bis dahin sollten wir uns alle an die eigenen Nasen fassen, denn schließlich ist keiner von uns perfekt.

Autor: Dennis Riehle