Konstanzer vertritt weiterhin Interessen Zwangserkrankter im Südwesten

Logo Selbsthilfe-Initiative im Kreis Konstanz
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Die „Deutsche Gesellschaft Zwangserkrankungen e.V.“ (DGZ) mit ihrem Sitz in Hamburg hat den Konstanzer Dennis Riehle in seinem Amt als Regionalbeauftragter für das südliche Baden-Württemberg neuerlich bestätigt. Damit wird der 35-Jährige auch künftig die Interessen der Betroffenen und Angehörigen in der Region vertreten, entsprechende Beratung und Orientierung für sie anbieten, den Kontakt zum stationären und ambulanten Gesundheits- und Versorgungswesen halten und ihre politischen Forderungen unterstützen, Ansprechpartner für die Presse und die Öffentlichkeit sein und nicht zuletzt als Kontakt und erfahrener Fachmann im Ehrenamt für die Belange und Fragen der thematischen Selbsthilfegruppen einstehen. „Nachdem ich mittlerweile seit über 20 Jahren selbst von dieser Erkrankung betroffen bin, ist es mir ein wirkliches Herzensanliegen, die mir anvertraute Funktion auch weiterhin auszuüben. Denn immerhin werden die Aufgaben nicht weniger: Die Corona-Pandemie ist geradezu prädestiniert dafür, dass Menschen psychische Störungen ausbilden – und da gehört die Zwangserkrankung ganz weit vorne mit dazu. Und ich weiß, dass trotz vieler Aufklärung und Information das Wissen um das Krankheitsbild in der breiten Bevölkerung weiterhin gering ist. Das erlebe ich in den täglichen Mails und Telefonaten, in denen mir Patienten vom fehlenden Verständnis von Arbeitgebern, Behörden, Freunden, Bekannten und sogar Angehörigen berichten, wenn es um Zwänge geht. In solchen Situationen ist es wichtig, den Betroffenen zu verdeutlichen, dass sie mit ihrer Krankheit nicht alleine sind, sondern mittlerweile bis zu zwei Millionen Deutsche an einer Zwangsstörung leiden. Daneben gilt es, wichtige Tipps für Angehörige im Umgang mit den Erkrankten zu geben und den Familien eine durchtragende Hilfe zu sein, um den Alltag zu bewältigen und die passende Unterstützung zu finden. Gleichzeitig erhoffe ich mir, auch weiterhin viele Mediziner und Therapeuten für die verschiedenen Konzepte zu sensibilisieren, mit denen Betroffene recht erfolgreich behandelt werden können. Ich denke, es ist wichtig, den Experten aus Sicht eines Krankheitserfahrenen neue Inputs für die Betreuung der Patienten zu geben und deren Perspektive noch besser zu verstehen“, erläutert Riehle sein Verständnis als neuer und alter Beauftragter der DGZ abschließend, der seit Jahren ebenfalls Kuratoriumsmitglied des Vereins ist.

Betroffene, Angehörige, Behandler und Psychologen, aber auch die interessierte Bürgerschaft können sich mit Fragen und Anliegen an Dennis Riehle wenden, der nicht nur als Erkrankter, sondern auch als Psychologischer Berater Motivation und Wegweisung bietet, ohne dabei eine ärztliche oder therapeutische Konsultation ersetzen zu können. Er ist erreichbar unter Tel.: 07531/955401 oder Mail: selbsthilfearbeit@riehle-dennis.de.

Riehle hat über zehn Jahre eine Selbsthilfegruppe (SHG) zum Thema im Landkreis Konstanz angeboten. Aufgrund mangelnder Nachfrage wurde sie zwischenzeitlich eingestellt. Nach Ende der Corona-Pandemie könnte ein Anlauf unternommen werden, dieses ehrenamtliche Angebot zu reaktivieren. Interessierte hierfür können sich ebenfalls unter genannten Kontaktdaten melden, um schlussendlich die aktuelle Nachfrage nach einer SHG zu ermitteln.

Hintergrund: Die Zwangsstörung gehört zu den neurotischen Erkrankungsbildern. In Deutschland leiden etwa ein bis zwei Millionen Menschen unter der Störung. Kennzeichnend für das Krankheitsbild ist ein sich ständig wiederholendes und besonders stereotypes Verhalten oder Denken, gegen das sich die Betroffenen nicht wehren können. Patienten werden von Zwangshandlungen (z.B. dauerndes Händewaschen und Putzen, übermäßig häufiges Kontrollieren oder Sammeln, pedantische Ordnung oder ritualhafte Handlungsabläufe etc.) und/oder Zwangsgedanken (kreisende Inhalte im Kopf zu sexuellen, aggressiven oder religiösen Themen, die keinen Realitätsbezug haben) heimgesucht. Die Erkrankung ist von übertriebenem Zweifel des Betroffenen geprägt. Eine Behandlung erfolgt in erster Linie mit einer Verhaltenstherapie, die kognitive und expositorische Anteile enthält. Auch eine medikamentöse Unterstützung, vor allem durch Antidepressiva der neueren Generation, ist anzudenken. Eine Linderung der Symptome scheint möglich, eine vollständige Heilung oft schwierig. Zusammenfassend ist die Ätiologie der Krankheit komplex: Neben äußerlichen Stressoren, Traumata und alltäglichen Lebenskrisen wird vor allem ein biologisches Erklärungskonzept verfolgt, das eine Dysbalance von Botenstoffen im Gehirn als eine Ursache ansieht. Allerdings ist auch ein konditionierender Ansatz denkbar, der darauf schließen lässt, dass sich Betroffene schon in jungen Jahren durch Habituation ein Reaktionsmuster aneignen, das sie aus Normen und Wertvorstellungen, aber auch aus der kindlichen Erziehung ableiten. Letztendlich führt das Krankheitsbild nicht selten zu Ausgrenzung, Unverständnis und psychosozialen Folgen. Daher ist ein multimodales Hilfekonzept sinnvoll, zu dem auch niederschwellige Unterstützungsangebote gehören.

Quelle: Pressemitteilung Dennis Riehle, Selbsthilfeinitiative Zwangserkrankungen, Phobien, psychosomatische Störungen und Depressionen im Kreis Konstanz