Auch nach 1000 Mailberatungen: „Ich bin diesem Ehrenamt kein bisschen müde!“

Dennis Riehle, (c) Foto: privat
Dennis Riehle, (c) Foto: privat

Durch eine atypische Parkinson-Erkrankung mangelte es ihm oft an seiner Stimme – dann entschied sich der Konstanzer Dennis Riehle, Menschen vor allem online zu helfen. Der 36-Jährige leidet seit seiner Pubertät an unterschiedlichen psychischen Störungen und ist seit 2005 in der Selbsthilfe ehrenamtlich tätig. Nachdem die Bereitschaft schon vor Corona stets zurückging, sich bei Gruppenzusammenkünften in Präsenz zu treffen, überlegte sich der ausgebildete Professionelle Psychologische Berater, der bis zu seiner gesundheitsbedingten Erwerbsunfähigkeit über 13 Jahre in eigener Praxis selbstständig tätig war, welche Alternativen er Betroffenen anbieten könnte, wenn diese sich aus unterschiedlichsten Gründen nicht zu einer realen Begegnung durchringen wollten. „Ich bin ehrlicherweise froh, dass es heute den Weg der Online-Kommunikation gibt. Sie ist in mehrfacher Hinsicht ein wirklich profundes Mittel, um Ratsuchenden eine niederschwellige Orientierung zu bieten“, führt Riehle aus, der in diesen Tagen seine 1000. Mailberatung durchführt. „Menschen können ihr Anliegen in Ruhe eintippen, meinerseits kann ich ebenso eine Antwort ausformulieren, die mein Gegenüber dann schwarz auf weiß hat“, fasst er die Vorzüge der elektronischen Beratung zusammen. Mittlerweile bietet Riehle sein ehrenamtliches Engagement nicht nur Hilfesuchenden seiner Selbsthilfegruppen, sondern verschiedenen Vereinen und Institutionen an, in deren Namen er psychosoziale Anliegen von Menschen aus der gesamten Republik beantwortet.

Nach einer zertifizierten Weiterbildung im Sozialrecht, in Digitaler Prävention und Gesundheitsförderung und in der Pflege ist er befähigt, Anfragende nicht nur mit einer durchtragenden Seelsorge zu begleiten, sondern nebenbei auch Allgemeine Sozialgesetzaufklärung zu leisten: „Ohne konkrete juristische Einzelfallbewertung darf ich dennoch Grundzüge der geltenden Rechtslage darlegen. Das befähigt viele Ratsuchende danach, mit einem Basiswissen einen Anwalt aufzusuchen. Zudem ist es mir möglich, im Zweifel stets an die passenden Anlaufstelle zu verweisen“. Erst kürzlich qualifizierte sich Riehle noch als Ernährungsberater und kann somit auch Fragen zu der bei vielen Krankheiten wichtigen Diätauswahl beantworten. Als Integrationsberater hat er seine Schwerpunkte bereits auf Fragen von Migration und Asyl ausgeweitet. Die mittlerweile ausschließlich kostenlos angebotene Mailberatung hat sich nach Meinung des Konstanzers auch deshalb so gut etabliert, weil Ratsuchende in Krisen zunächst nach Ihresgleichen Ausschau halten. Riehle kann als Betroffener diverser Krankheiten auf einen eigenen Erfahrungsschatz im Umgang mit Schicksalen zurückgreifen, der ihn nach seinen Aussagen zu einem Ansprechpartner auf Augenhöhe macht: „Es ist verständlich, dass Menschen in Notlagen mehr Vertrauen zu einem Berater aufbauen, der selbst die gleichen Sorgen schon einmal durchlebt hat“. Riehle konnte durch seinen Beruf viel Routine im Umgang mit Menschen erlangen, die ihm nun auch in der Mailberatung zugutekommt: „Ich fühle bei jedem ‚Fall‘ sehr empathisch mit, kann mich aber nach Abschluss der Konsultation auch rasch wieder davon distanzieren. Anders wäre solch eine Aufgabe nicht leistbar. Und auch nach hunderten Beratungen ist mir diese freiwillige Tätigkeit überhaupt nicht langweilig geworden, im Gegenteil. Ich bin diesem Engagement kein bisschen müde!“.

Riehle hat noch Kapazitäten frei und steht insbesondere Sozialvereinen und Selbsthilfeverbänden offen gegenüber, seine Mailberatung auch ihnen anzubieten.

Dennis Riehle, Martin-Schleyer-Str. 27, 78465 Konstanz, Tel.: 07531/955401 (Anrufbeantworter), Web: https://www.dennis-riehle.de